A | A | A   Schriftgrösse

Österreichische Bären

Unsere, zum Teil von Slowenien zugewanderten und einige wenige, künstlich repatriierte und somit heimisch gewordene Braunbären, unterscheiden sich in vielen Punkten wesentlich von ihren drei beschriebenen Vettern. Die Umwandlung zu Zwangs-Nachtaktivisten und der Scheu vor den Menschen hat sich in Europa, wegen der intensiven Bejagung schon vor Hunderten Jahren vollzogen. Die im Ötschergebiet ausgesetzten, damals ortsunkundigen, verzweifelt nach Futter suchenden Bären haben in den Jahren 1993 und 1994 in der Steiermark, Ober- und Niederösterreich Landwirte, Fischteichbetreiber, Schafzüchter, Gänsehalter und Hasenbesitzer durch nächtlichen Diebstahl in Angst und Schrecken versetzt. Im Ausseerland (Stmk) setzte ein Bär eine 4 Kilometer lange Förderbahn einer Großfabrik für einen Tag außer Betrieb: Streckenkontrolleure hatten ihre Wegzehrung in Schaltkästen an Liftstützen aufbewahrt. Der ausgeprägte Geruchsinn zeigte einem hungrig herumsuchenden Braunen den schnellsten Weg zu dem Depot. Beim Aufbrechen des Sicherungskastens zerriss ein Stromkabel. Dieses Futterbeschaffungsverhalten ist typisch für Bären, die aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen und in Fremdgebieten abgeladen wurden. Einige Saisonen dauert es bis sich die Petze eingewöhnt und ein für sie passendes Habitat - ausreichend Nahrung, Einwinterungsmöglichkeiten und von Störungen einigermaßen verschonte Zonen - gefunden haben. Männlicher Nachwuchs wird nach der Führungszeit vom Muttertier verjagt. Er wandert im Gegensatz zum Weiblichen oft Hunderte Kilometer weit. Damit setzt die Natur einen inzestverhindernden Riegel vor. Auch aus diesem Grund wechseln Braunbären aus dem benachbarten Slowenien nach Österreich und beeinflussen das Geschlechterverhältnis zu Ungunsten der Weibchen. Unsere Population "leidet" unter Männchenüberschuss!

Titelfoto H.P. Sorger

© Respect to Wildlife 2018