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Verhalten bei Bärenbegegnungen
im Alpenraum

Hierzulande einem Bären zu begegnen wäre vom Standpunkt des Forschers aus ein ausgesprochenes Glück. Aus Sicht des Wanderers oder Pilze - Suchers eine andere Sache. Im Allgemeinen geht vom gesunden, unverletzten Alpenbraunbären keine unmittelbare Gefahr für uns Menschen aus. Ihr ausgeprägtes Wahrnehmungs -vermögen signalisiert Bären schon von weitem ihren ärgsten Feind und sie weichen ihm nach Möglichkeit aus. Treibt man ihn aber in die Enge, verteidigt er sich vorerst meist mit einer Scheinattacke. Mit fauchenden Luftstößen prescht er einige Schritte auf den Eindringling zu, bremst sich ein, zeigt mit raschen, wischenden Luftschlägen der Vorderpranken seinen Unmut und wartet brummend ab. In einem solchen Fall ist ein besonnener Rückzug, ohne zu rennen, das beste Mittel Meister Petz zu besänftigen. Die so oft propagierte Flucht auf einen Baum ist sinnlos, denn unsere leichtgewichtigen Braunen sind behände und flinke Kletterer, sie sind aber auch in überwiegendem Maße tolerante Zeitgenossen. Auf Grund unserer Größe und Statur können diese Tiere unsere Wehrhaftigkeit nicht einschätzen. Um Verletzungen zu vermeiden, lassen sie sich ungern auf Konfrontationen ein, hingegen beobachten sie sehr genau das Abzugsverhalten des Störenfriedes. Bewegt sich dieser aus der Fluchtdistanz, die innerhalb von 70 bis 40 Metern liegt heraus, dann deutet das der Bär als Akzeptanz seines Reviers. Weitere Attacken wären unökonomische Kraftverschwendung.

Titelfoto H.P. Sorger

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