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Bär Roznik „verabscheuungswürdig“ ermordet

Bereits 6000.- Euro sind für die Ergreifung des Bären-Mörders ausgesetzt. Halbe-Halbe! Das Naturschutzreferat und die Kärntner Jägerschaft setzen alles daran, um den „Meuchelmörder“ ausgeliefert zu bekommen.
Roznik, ein dreieinhalb Jahre altes Bärenmännchen, zigeunerte mit einem Halsband-Sender von Slowenien nach Österreich. Medien berichteten von seinem unbekümmerten Verhalten, seinen Ausflügen tagsüber und gaben so ziemlich genau seinen Aufenthalt bekannt. Vielerorts wird dadurch von Verleitung zum „Kameradschaftsdiebstahl“ gesprochen. Dann die Meldung von seinem plötzlichen Verschwinden. Schließlich fand man den jugendlichen Streuner in Slowenien, nahe der österreichischen Grenze, erschossen, fachgerecht gehäutet, mit abgetrenntem Schädel, entfernten Tatzen und der penibel herausgesäbelten, verräterischen Kugel in einem Bachbett nahe der Straße. Vermutlich war das Tier in Kärnten getötet und danach über die nahe Grenze zur Entsorgung gebracht worden.
Eine kleinformatige Tageszeitung schrieb: Zitat: „Derjenige, der den entscheidenden Hinweis zur Ergreifung des Täters liefert, erhält von der Kärntner Jägerschaft 3000 Euro“, so der Vizelandesjägermeister Josef Monz: „Wir wollen damit beitragen, dass dieses verabscheuungswürdige Verbrechen so rasch wie möglich aufgeklärt wird.“ Naturschutzreferent Uwe Scheuch von der Kärntner Landesregierung verdoppelte die Ergreiferprämie, um den Bärenmörder zu fassen.
Sollte sich herausstellen, dass der Täter ein Mitglied der Kärntner Jägerschaft ist, dann wird das Strafmaß fett ausfallen, um den Imageschaden einigermaßen zu minimieren.

Braunbär
Selten, tagsüber ohne Scheu unterwegs - Foto H.P. Sorger

Ein geplanter illegaler Abschuss

Aus meiner Sicht eine sorgfältig geplante Untat von einem in allen Sparten befindlichen schwarzen Schafen. Nur die Zeit und der richtige Ort waren das Einzige was dem Schützen zufallen musste. So geschehen fiel der Bär durch einen kaltblütigen Schuss ins Herz im Feuer. (Nach dem Schuss auf der Stelle umfallen). Zumindest ein Helfer war vonnöten, um den Kadaver in einen Stall, eine Scheune oder ein Kühlhaus zu verbringen, ihn dort aufzuhängen und ihn aus seinem Pelz zu schälen.
Fühlte sich der Täter so sicher, dass er die verstümmelte Leiche seelenruhig über die Grenze nach Slowenien schaffte und sie dort geradezu provokativ neben der Straße in einem Graben entsorgte? Oder aber geriet sein Blut wegen der medialen Berichterstattung in Wallung und er verfiel in Panik? Eine perfekte oder misslungene Tötung – das Erste wird sich auf unendliche Sicht und das Zweite eher herausstellen. Der Tod des jungen Bären Roznik ist endgültig, keine 100.000 Euro holen ihn ins Leben zurück. In Slowenien und Kroatien leben mehr als 1200 Braunbären, Regulationsabschüsse sind dort legal. Der Verlustschmerz über diesen Abschuss von Roznik hält sich in Grenzen, um vieles größer ist der Imageschaden den der, nunmehr an Schlafstörungen leidende Schütze, anrichtete.

Auerhahn
Der gefährdete Auerhahn wird ohne Einsicht weiterhin bejagt - Foto J. Zmölnig

Das Töten während der Brutzeit

Was aber unternimmt die Jägerschaft ohne mediales Tam Tam hinter dem Rücken der Öffentlichkeit bis nach Brüssel, um den stark gefährdeten Urhahn weiterhin legal abschießen zu dürfen? Zwar sind die heutige Waldbewirtschaftung, gleichförmig strukturierte Wälder und der Bau von neuen Forststraßen das größere Übel als der Abschuss, jedoch könnte dieser das Fass zum Überlaufen bringen. Für jeden Artenschützer ist die Bejagung von Auerhahn und Waldschnepfe eine ebensolche, nur unter dem Deckmantel der Legalität stehende Untat. Der Abschuss von Krähen ist landesweit erlaubt, jedoch ist es eine ethische Untat diese Vögel während der Brutzeit abzuschießen, zumal deren Jungen ohne Betreuung elendiglich zugrunde gehen.

Seeadler
Seeadler, kaltblütig abgeknallt - Foto J. Zmölnig

Auch nicht die feine englische Art ist folgender Fall: In Niederösterreich hat ein Jäger, pensionierter Polizist und Hegeringleiter vermutlich zwei Seeadler – im Kofferraum seines Wagens wurden zwei verschiedene DNA-Spuren gefunden – abgeknallt. Übrigens der erste Täter dem man mit Forensik auf die Schliche kam. 5200,- Euro Strafe inklusive der Gerichtskosten, fünf Jahre Jagdkartenentzug und Verlust der Hegeringleitung. Die Bestrafung erfolgte nicht durch die Jägerschaft sondern durch die Bezirkshauptmannschaft.

Zu viele schwarze Schafe, die das Image noch mehr schädigen.

Ihr Hans Peter Sorger

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Titelfoto H.P. Sorger

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