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Erbarmungslos!
Der Winter 2008/09 im Kärntnerland

Der vergangene Winter hatte es in sich! "Ein Winter wie er früher einmal war", sagen die "Alten". Bereits in den ersten Dezembertagen waren wir in unserem Basislager in 1350 m SH mit 150 cm Neuschnee konfrontiert. Seit Jahren eine außergewöhnliche Menge! Wir arbeiteten an der Freilegung wie die Irren. Am 8. Dezember kamen 25, am Zehnten 20 und am Elften 50 cm dazu. 2 Meter und 45 Zentimeter pappige, schwere Masse. Einen Tag darauf setzte enorm starker Schneefall ein, innerhalb von 9 Stunden lud Frau Holle weitere 75 cm der "Weißen Pracht" ab. Der Versuch das Lager nochmals freizuschaufeln scheiterte am "Wohin damit"? Rundherum entstanden Berge von Pappschnee. Dazu kam, dass etliche, bis zu 50 cm dicke, Bäume dem Druck nicht standhielten, umstürzten und den Zufahrtsweg blockierten. Nur durch Umfahren konnten wir die 14 km lange Anfahrt mit dem Motorschlitten bewältigen. Am 17. Dezember regnete es tagsüber stundenlang. Damit folgte ein weiteres Problem. Gegen Abend begann es von Neuem zu schneien. Als am 20.12. endlich die Wolkendecke zeriss kam die Kälte. Minus 17 Grad ließen den mit Wasser durchtränkten Schnee zu "Beton" gefrieren. Diesem tonnenschweren Druck hielt das äußerst robuste Indianerzelt (Tipi) nicht stand. Es wurde wie eine Ziehharmonika zusammengepresst. Das für die Unterbringung von feldforschenden Praktikanten errichtete Basislager mussten wir für diesen Winter aufgeben. Ein harter Schlag, der auch empfindliche finanzielle Einbußen mit sich brachte.

Basislager im Winter
Gerade noch ausgeschaufelt - Foto H.P. Sorger

Tipi
Wenige Tage später sah es so aus - Foto H.P. Sorger

Die Natur trifft die Auslese

Vermehrt fiel Hoch-, Reh- und Gamswild den Schneemassen zum Opfer. Das Walten der Natur wird für Jäger zum Schreckgespenst. Eine Armada von Hubschraubern und Motorschlitten rückte mit Heuballen, Silo- und Kraftfutter aus, um das Wild vor dem Natürlichen zu retten. Schon richtig, das halb domestizierte, vor allem durch die allzeitliche Ausbringung von unterschiedlichstem Futter (lt. Jagdgesetz verboten) verweichlichte Wild, hatte wenig Chancen. Eine natürliche Selektion zum Leidwesen der Grünröcke, denn jedes gefallene Stück wird von ihnen einerseits als Verlust beweint obwohl sie andererseits froh sein müssten ihre Abschusspläne in diesem Jahr ohne Druck erfüllen zu können. Zudem ist der Großteil des verbliebenen Bestandes kräftig und gesund.

Verendet und von Beutegreifern vollständig genutzt
Verendet und von Beutegreifern vollständig genutzt - Foto H.P. Sorger

Unnötiges Energievergeuden wird bestraft

Die in früheren Zeiten aufgesuchten Wintereinstände hat der Mensch den Tieren genommen und dennoch überlebt Zukunftswild schadlos. Gesunde, erfahrene und starke Hirsche vergeuden unter solchen Bedingungen keine Energie. Tage verharren sie in den Einständen unter ausladenden Fichten, pflücken erreichbare grüne Zweige ab und wandern danach einige Meter weiter zum nächsten Baum. Losungsanalysen ergaben, dass diese Tiere über Wochen davon leben und dabei ihre Feistigkeit nur geringfügig abnimmt. Für einige wenige dieser Exemplare sind künstlich angelegte Fütterungen geradezu ein Tabu! Die Errichtung und Betreuung dieser Domestikations- und Trophäenzuchtanlagen bezeichnet der Weidwerker als Hege. Unter Hege (im Jagdgesetz verankert) sollten alle Jagdberechtigten die Erhaltung der Artenvielfalt und die eines gesunden Wildbestandes verstehen.

Kadaver Hirschkuh
Raben und Greifvögel delektierten sich an dieser Hirschkuh - Foto H.P. Sorger

Kadaver Schmaltier
Dieses Schmaltier ist kurz zuvor an Stress und Erschöpfung verendet - Foto H.P. Sorger

Hetzjagd aus Neid

Dass 3 bis 4000 Rehe allein in Kärnten alljährlich durch Kollisionen mit Kraftfahrzeugen auf unseren Straßen zugrunde gehen wird ohne Aufhebens hingenommen, wenn aber ein Luchs, der auch zur Artenvielfalt zählt, ein durch Erschöpfung verendetes Rotwild angefressen hat, ruft so mancher Grünrock eine Hetzjagd auf ihn aus. In diesem Zusammenhang muss aber auch festgehalten werden, dass es in unseren Bereichen Weidmänner gibt, welche über diese rare Katze schützend ihre Hand halten. Wir wünschen uns ein generelles Umdenken hinsichtlich der Artenvielfalt, zu der alle Greifvögel, aber auch der Auerhahn und die Waldschnepfe zählen.

Das Team von Respect to Wildlife

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Titelfoto M. Siller:
Schon auf halber Zufahrt gab es Schwierigkeiten

Hindernisse mussten beseitigt werden - Foto M. Siller

© Respect to Wildlife 2017