A | A | A   Schriftgrösse

Projekt: „Artenlisten im Naturpark Weißensee“

Endbericht

Text: Mag. Manuela Siller
Fotos: Mag. Manuela Siller, Hans Peter Sorger
Projektträger: Respect to Wildlife

Bericht downloaden: Abschlussbericht-Projekt-Artenlisten.pdf - 6.5 MB

 

Inhalt:

1.) Einleitung

2.) Beschreibung Untersuchungsgebiet

3.) Material und Methode

4.) Ergebnisse

5.) Diskussion

6.) Literatur

7.) Anhang Artenlisten

 

1.) Einleitung:

Das Landschaftsschutzgebiet Weißensee wurde am 9. Mai 2006 von der Kärntner Landesregierung per Verordnung (LGBl. Nr. 29/2006) zum „Naturpark“ erklärt, umfasst eine Fläche von 7.640 ha und erstreckt sich auch über einen Teil des Gemeindegebietes von Stockenboi.

Die Definition „Naturpark“ stützt sich unter anderem auf die 4 Säulen „Bildung“, „Schutz“, „Erholung“ und „Regionalentwicklung“.

Für ein harmonisches Miteinander dieser vorgegebenen Kriterien und zufriedenstellender Entwicklung dieses Landschaftsschutzgebietes und Naturparks ist eine profunde Kenntnis des „biologischen Potentials“ unabdingbar. Gründlich erarbeitete Artenlisten unter Berücksichtigung der FFH- und der Vogelschutz-Richtlinien (Richtlinie 92/43/EWG bzw. 79/409/EWG) mit „prioritären“ Arten liefern eine notwendige Basis für das Management des Naturparks unter den definierten Prämissen.

2.) Beschreibung des Untersuchungsgebietes:

In den Gailtaler Alpen, zwischen den Flüssen Drau und Gail, liegt in einer Seehöhe von 930 m das schmale, langgestreckte Weissensee-Tal, im Norden umgeben von den Ausläufern der Latschur-Gruppe – höchste Erhebung 2236m, im Süden von jenen der Spitzegel-Gruppe (2119m). Sowohl im Westen als auch im Osten ist die Talfurche offen, die Talsohle beherrscht der rund 6,5 km² große und rund 12 km lange, fjordartige Weißensee mit einer maximalen Tiefe von ca. 99 m.

Die flachen Uferabschnitte im breiter gestalteten Westen werden von Kulturland (Grünlandwirtschaft) und Siedlungsraum (fünf Dorfschaften) geprägt, während die Nord- und Südufer im engen östlichen Seeteil sehr steil zum See abfallen und durch zahlreiche Felspartien, Gräben und Schotterflächen sehr unwegsam sind. Ein aufgeschütteter Schwemmkegel des Silbergraben-Baches formt das schmale, aber wieder flache Ostufer, hier entwässert auch der See über den Weißenbach in den Stockenboier Graben. Ein Campingplatz mit Strandbad, eine Schiffsstation und einzelne Gebäude charakterisieren den „Ortsee“, wie die Bevölkerung das Ostufer benennt.

Der geologische Unterbau ist geprägt von verschiedenen Kalkausformungen – wie alpine Muschelkalke, dolomitische Kalke, Kalkmergel, Kalkschiefer, es finden sich aber auch Sandsteine, Quarz, grobe Brekzien und Konglomerate (aus: F. DRACHSEL, 1992).

Rund 60% des Gemeindegebietes Weißensee werden von Wald bedeckt, wobei Nadelhölzer mit rund 90% dominieren. Mit einem Anteil von ca. 60% bestockt die Fichte Flächen von der Talsohle bis in ca. 1800m SH, gefolgt von Lärche, Tanne und Kiefer, Legföhren in den Hochlagen. Mancherorts wächst auch die seltene Eibe. Bei Laubhölzern ist die Buche vorherrschend, Bergahorn, Eichen, Eschen, Ebereschen, Mehlbeere, Birken, Weiden und andere Weichhölzer gedeihen ebenso.

3.) Material und Methode:

Material:

  • Optische Geräte:
    • Swarovski-Ferngläser 8x32, 10x42, 10x50WB, 8,5x42
    • Swarovski-Spektive: Habicht ST 80 HD, Habicht 30x75
    • Camcorder Sony PXW-x70
  • Fotoausrüstung:
    • Nikon D300s, Nikon D2x, Nikon D7000, Nikon Coolpix L101
    • Nikon-Objektive: AF Nikkor 28-200mm, AF-S Nikkor 300mm, Nikon DX AF – S Nikkor 18 – 300mm VR; 2x - Konverter
  • Stative von Cullman und Manfrotto
  • Wildkamera „Maginon“
  • Ton-Aufnahmegerät Sound Devicer 722 und Sennheiser Richt-Mikrofone
  • Fledermaus-Detektor „Bat-Detector“ CH
  • Funkgeräte Motorola GP 340
  • Kartenmaterial: ÖK 25V 198 Weissbriach 4714 Nord, ÖK 25V 199 Hermagor 4715 Nord, Kompass Karte 060 Weissensee 1:25000
  • Bestimmungsliteratur

Methode:

Zur Erarbeitung der Artenlisten – Mammalia, Amphibia, Reptilia, Aves und Pisces –fließen bereits getätigte Leistungen (22- jährige Beobachtungen und Aufzeichnungen von Hans Peter Sorger und Praktikanten sowie von Mitarbeitern und Team von Respect to Wildlife und praktizierenden Studenten) sowie Mitteilungen von kompetenten Personen der Almbewirtschaftung, Jagd, Weißenseer Jagdverein, Forstbetrieben, Ornithologen und Privatpersonen ein. Des Weiteren erfolgt eine Sichtung/Verwertung relevanter, gebietsbezogener Literatur sowie Einholung spezifischer Kenntnisse von Fachpersonen (z. B. Frau Helga Happ bezüglich Reptilien, Jakob Zmölnig - Ornithologie).

Feldforschung:

Im Bereich der Fische (Ichthyologie) werden neben den selbst erhobenen Arten die Erfahrungen und Kenntnisse von Mag. Martin Müller, unter anderem Berufsfischer am Weißensee, eingebracht.

Angepasst an die für den jeweiligen Bereich der Ornithologie, Mammalogie, bei Amphibia und Reptilia üblichen und erprobten Kartierungsmethoden (Punkt-Stopp-Zählung, Linientaxierung,…) kommen weitere direkte und indirekte Methoden zum Einsatz.

Ein wichtiger Aspekt ist neben der direkten Beobachtung und Totfunden die Auswertung von Spuren und Fährten, Losungen, Gewöllen, Rupfungen, Rissen, Fraßspuren und anderen Anzeichen tierlicher Aktivitäten (z. B. Bruthöhlen, Horste, Nester,…), Bestimmung aufgefundener Mauserfedern sowie die Verwertung akustischer Präsenz (nachtaktive Arten). Spezifische Geländearbeiten sind dem Jahresrhythmus in der Biologie der Tiere angepasst: Balz und Revierverhalten beispielsweise bedingen bestimmte Verhaltensweisen, die für die Erhebungen bedeutsam sind.

Winter, Spätwinter (Dezember, Jänner, Februar, März):

  • Ranzlaute
  • Reviergesang
  • Trommeln
  • Nestbau, Paarverhalten
  • Beenden von Winterschlaf, -ruhe (Braunbär, Dachs, Marderhund)
  • Eulenbalz

Demzufolge Verhören mit Artbestimmung (charakteristische Ranzlaute bei Fuchs, Luchs, Trommelwirbel bei Spechten, arttypischer Vogelgesang und –rufe), Ausfährten bei Schneelage, direkte Beobachtung, Bestimmung von indirekten Hinweisen und Totfunden, Fotofallen, Dokumentation.

Frühjahr (März, April, Mai, Juni):

  • Beenden von Winterschlaf, -ruhe/-starre (Braunbär, Dachs, Marderhund, Fledermaus, Schlafmäuse, Amphibien, Reptilien)
  • Frühjahrs-Vogelzug
  • Amphibien-Wanderung, Laichgeschehen
  • Reviergesang
  • Trommeln
  • Nestbau, Paarverhalten
  • Jungenaufzucht

Direkte Beobachtung, Verhören mit Artbestimmung, Bat-Detektor-Einsatz, Bestimmung indirekter Hinweise und Totfunde, Ausfährten in Höhenlagen und Schattseiten (Schnee-Reste), Fotofallen, Dokumentation.

Sommer (Juni, Juli, August):

  • erhöhte Mobilität durch Jungenführung

Direkte Beobachtung, Verhören mit Artbestimmung, Bat-Detektor-Einsatz, Bestimmung indirekter Hinweise und Totfunde, Fotofallen, Dokumentation.

Herbst (September, Oktober, November):

  • Zugverhalten im Herbst
  • bei einigen Arten „Herbstbalz“ (Eulen)
  • Brunft
  • Vorbereitung für Winterschlaf/-ruhe (Sammeltätigkeit, Vorratslager)

Direkte Beobachtung, Verhören mit Artbestimmung, Bat-Detektor-Einsatz, Bestimmung indirekter Hinweise und Totfunde, Fotofallen, Dokumentation. Beispiele für Totfunde:

4.) Ergebnisse:

4.1. Mammalia – Säugetiere:

4.1.1. Carnivora (Raubtiere)

Die Erforschung dieser Tiergruppe sorgte für Überraschungen, konnte doch die Anwesenheit so unerwarteter Arten wie Marderhund (Nyctereutes procyonoides) und Goldschakal (Canis aureus) im Untersuchungsgebiet festgestellt werden. Der Marderhund erwies sich dabei als flexibler was seine Lebensraumansprüche betrifft, als gemeinhin in der Literatur beschrieben. Diese urtümliche Caniden-Art zog erfolgreich Jungtiere im Bereich der Möschacher Wipfel-Alm auf, in einer Seehöhe von rund 1.700m! Nicht alljährlich findet man Lebensspuren des Goldschakals, diese Säugerart konnte bislang nur sehr selten und in unregelmäßigen Abständen gesichtet und auch verhört werden. Ob sich Canis aureus im Weißenseegebiet dauerhaft etablieren kann, bleibt abzuwarten.

Das größte Landraubtier, der Braunbär Ursus arctos, bereichert schon seit Generationen das Gebiet um den Weißensee. Dabei kristallisierten sich stetig und regelmäßig angenommene Wechsel und Rückzugsräume heraus, welche wichtige Verbindungswege, „Pässe“ und Revierteile für diese Tiere in ihren weiträumigen Streifgebieten darstellen. Das Weißenseetal fungiert als wichtiges Glied bei den Wanderbewegungen zwischen dem Gail-, Gitsch-, Drautal und dem Stockenboier/Paternioner Gemeindegebiet.

Vor allem das Ausfährten und Auffinden charakteristischer Fraßspuren dokumentieren die Anwesenheit von Ursus arctos, absolute Highlights stellen natürlich Sichtungen dar.

Bärenbesuch

Bärenbesuch
Bärenbesuch beim Dolomitenblick/Schiffsanlegestelle am Ostufer des Weissensee

Der Geruch von gelagertem Alt-Speisefett lockte einen hungrigen Braunbären aus den Laka-Wäldern zum Gasthof. Es war noch vor der Saisoneröffnung und nur eine Reinigungsfrau verbrachte bereits die Nacht im Haus. In der frühen Morgendämmerung vernahm sie „eigenartige, rumpelnde“ Geräusche und glaubte auch ein tiefes Brummen und Schnauben zu hören, traute sich aber nicht Nachschau zu halten. Der Bär warf reihenweise Müllcontainer um, untersuchte einen Eimer mit Speiseresten, verschüttete Altfett, tappte hinein – so entstanden die dokumentierten fettigen Tatzenabdrücke am Asphalt – und verschwand wieder in der Laka. Dies blieb bislang ein einmaliges Ereignis und wiederholte sich infolge nicht.

Die „ökonomisch“ agierenden Braunbären nutzen auch Forststraßen bei ihren Wanderbewegungen, da sie ein rasches und hindernisfreies Fortkommen bieten, langwierige Serpentinenstraßen werden allerdings oftmals direkt hangauf- oder abwärts abgekürzt. Das Ausfährten vor allem nach den ersten Schneefällen im Herbst oder im Spätwinter – Frühjahr kann erfolgreich sein, nach ergiebigen Regenfällen auf Spuren- und Fährtensuche zu gehen bietet ebenso gute Voraussetzungen - in aufgeweichten Böden und lehmigen Pfützen drücken sich Fährten besser ab und sind leichter zu entdecken:

Bärenfährte im Frühjahr
Bärenfährte im Frühjahr

Vorderpranten - Abdruck im aufgeweichten, lehmigen Boden
Vorderpranten - Abdruck im aufgeweichten, lehmigen Boden

Zerlegte Bienenstöcke und Wildfütterungen, Losungen, aber auch aufgefundene Risse und angenommenes Fallwild mit typischen Fraßspuren belegen ebenfalls Bärenanwesenheit.

Die größte europäische Katzenart, der Luchs (Lynx lynx) kann zwar regelmäßig, aber nicht verlässlich jedes Jahr zur Ranzzeit im Winter bestätigt werden. Die lauten und charakteristischen Rufe der Kuder lockten bislang mindestens ein Weibchen erfolgreich an, zweimalige Sichtungen von Jungluchsen im weitläufigen Kreuzberg – Gebiet belegen, dass das Habitat um den Weissensee - trotz Tourismus – dem Luchs Lebensraum bietet.

Rissfunde und Meldungen sind zwar spärlich und nicht immer eindeutig dem Luchs zuordenbar, diese scheue und heimlich lebende Katzenart ist jedoch Bestandteil der „Naturpark-Fauna“.

Die weiteren Vertreter der „Raubtier-Gilde“ Dachs, Baum- und Steinmarder, Fuchs, Hermelin und Kleines Mauswiesel verteilen sich, zwar in unterschiedlich gut entwickelten Populationen bzw. Anzahl, flächig im gesamten Naturparkgebiet.

Dachse entdeckt man im Bodenalm - Fischeralmgebiet und in höheren Regionen ebenso wie im Talbereich des Weißensees (z.B. Paterzipf). Trittsiegel, Bauten (verlassene und befahrene), Losungen, direkte und indirekte Beobachtungen (Fotofalle) finden sich regelmäßig an den entdeckten und bekannten Gebieten/Plätzen. Das lässt auf einen stabilen Bestand schließen.

Der gut vertretene Steinmarder (Martes foina) verhält sich im Untersuchungsgebiet genauso wie es von „Stadtpopulationen“ bekannt ist: so manches Individuum betätigt sich als „Automarder“ und hinterlässt zerbissene Kabel und zerstörte Motorhauben-Isolierschichten aus Schaumstoff. Ihren Nachwuchs ziehen sie in zugänglichen Dachböden genauso erfolgreich auf wie in natürlichen Höhlungen und Verstecken im Wald.

Es gelang leider nur zweimal, den versteckt lebenden und scheuen Baummarder (Martes martes) direkt beobachten zu können (Ausläufer Möschacher Wipfel und im Waldgebiet westlich der Weißen Wand). Indirekte Nachweise wie eindeutig zuordenbare Fährten oder mittels Fotofallen blieben erfolglos. Mitteilungen von Jagdausübenden zufolge ist diese Marderart allerdings „ganz gut“ vertreten. Erfolglos blieb die Nachforschung nach dem Waldiltis (Mustela putorius).

Bei Füchsen (Vulpes vulpes) konnten wenige Male auch stark von Räude befallene Individuen beobachtet werden, der Bestand insgesamt scheint auch phasenweise mehr oder weniger starken Schwankungen unterworfen zu sein, als gefährdet ist der Fuchs im Naturpark deswegen aber nicht einzustufen. Interessant ist das Verhalten so mancher Jungfüchse, sie sind extrem neugierig und scheinen wenig Scheu vor Menschen zu haben: besorgte Hausbesitzer berichten von „am helllichten Tag zur Haustür hereinschauenden Füchsen“, und ob die krank wären, vielleicht die Tollwut hätten? Tollwut trat aber bislang am Weißensee nicht auf. Jungfüchse sind sehr verspielt und erkundungsfreudig, sie „entführten“ nachts sogar zum Auslüften vor die Haustüre gestellte Laufschuhe, was unserem verblüfften Nachbarn passierte. Ich fand seine teuren Sportschuhe unweit vom Haus auf der Weide, leider total zerbissen und damit unbrauchbar.

Die beiden Marderartigen Hermelin (Mustela erminea) und Mauswiesel (Mustela nivalis) wurden im Westteil des Naturparks im Kulturland – auf Wiesen und in Seeufernähe – festgestellt. Es gelang auch die Beobachtung einer Hermelin-Mutter, wie sie ihren schon älteren Nachwuchs aus einem ihr nicht mehr sicher erscheinenden Holzstapel umsiedelte.

4.1.2. Lagomorpha (Hasentiere)

Im Naturpark Weißensee lebt sowohl der Feldhase (Lepus europaeus) als auch der Alpenschneehase (Lepus timidus), Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) kommen nicht vor.

Der Feldhase erobert dabei durchaus auch höher gelegene Almbereiche und dringt ins Reich des Schneehasen vor, während wir den Schneehasen nur selten und vorwiegend in der kalten Jahreszeit auch im Tal um den Weißensee beobachten konnten. Möglicherweise existiert eine Konkurrenzsituation zwischen den beiden Arten. Eine zuverlässige Bestandseinschätzung ist schwierig.

4.1.3. Rodentia (Nagetiere)

Es konnten neun Arten dieser großen und vielgestaltigen Ordnung bestimmt werden. Es ist aber gut möglich, dass weitere Untersuchungen zusätzliche Arten entdecken könnten.

Kurz erwähnt seien die gut vorkommenden Eichhörnchen (Sciurus vulgaris). Bei dieser Art dominieren die schwarz gefärbten Vertreter, während die rote Variante eher eine Ausnahmeerscheinung darstellt. Diese Art reagiert empfindlich auf lang andauernde und vor allem schneereiche Winter regelmäßig mit starken Bestandseinbußen, von denen sie sich nur langsam wieder erholt.

Bei der Familie der Schläfer (Bilche) konnte nur der Siebenschläfer (Glis glis) dokumentiert werden. Weitere Arten der Rodentia siehe Anhang.

4.1.4. Insectivora (Insektenfresser)

Es konnten sechs Arten im Untersuchungsgebiet erfasst werden, wobei die exakte Bestimmung Wasser- oder doch Sumpfspitzmaus aufgrund des Zustandes des Totfundes nicht sicher gelang. Von den beiden in Österreich vorkommenden Igelarten konnte nur der Weißbrust- oder Ostigel (Erinaceus concolor) im Naturparkgebiet dokumentiert werden.

4.1.5. Chiroptera (Fledertiere)

Vier Fledermausarten wurden im Naturparkgebiet entdeckt, wobei die sichere Unterscheidung Braunes oder Graues Langohr nicht sicher gelang. Es handelte sich leider nur um ein Exemplar, welches im Dachstuhl der Hermagorer Bodenalm kurzfristig Quartier bezogen hatte. Ein Großer Abendsegler hatte sich in unserem Basislager die Umschlagfalte des Tipis als Tagesversteck ausgesucht und wurde bei der Manipulation der Plane entdeckt. Leider gibt es kein Fotodokument und keine weiteren Sichtungen. Der Einsatz des Bat Detektors erbrachte noch 3x eindeutig zuordenbare Jagdlaute.

4.1.6. Artiodactyla (Paarhufer)

Wildschweine treten nur als gelegentliche Durchzügler im Gebiet auf, eine bleibende Population etablierte sich bislang nicht. Hirsche, Rehe und Gämsen werden jagdlich genutzt, Steinböcke (Capra ibex) gibt es im Naturpark Weißensee nicht.

4.2. Aves - Vögel:

Besonders erwähnen möchten wir einige Arten, vollständige Auflistung siehe Anhang.

4.2.1. Accipitridae (Greifvögel)

Alljährlich zu beobachtende Sommergäste sind die riesigen Gänsegeier (Gyps fulvus), welche regelmäßig die Almregionen im Weißenseegebiet nach Nahrung absuchen. In ihrem Gefolge kann der Bartgeier (Gypaetus barbatus) entdeckt werden. Ein Umstand, der auf die erfolgten Wiederansiedlungen im weiteren Umfeld zurückzuführen ist.

Gänsegeier
Gänsegeier (Gyps fulvus)

Erfreulich ist das Vorkommen von drei verschiedenen Falkenarten im Gebiet: Alljährlich brüten, wenn auch nicht immer erfolgreich, Turmfalke (Falco tinnunculus), Baumfalke (Falco subbuteo) und Wanderfalke (Falco peregrinus).

Als Rarität mit bislang gesichert nur einem Brutpaar erweist sich dabei der Baumfalke, welcher unter anderem auch entlang und über dem See auf der rasanten Jagd nach Libellen oder Schwalben beobachtet werden kann. Als „felsgebunden“ erweist sich der Wanderfalke bei der Wahl seiner Neststandorte, interessanterweise arrangiert er sich dabei mit seinem kleinerem Vetter, dem Turmfalken. Die besondere Ausformung und Gestaltung der „Weißen Wand“ ermöglicht dort ein zeitgleiches Aufziehen von Nachwuchs.

Anmerkung: Auch Kolkraben (Corvus corax) und Felsenschwalben (Ptyonoprogne rupestris) nutzen dieses Gebiet zum Brüten.

Wichtiges Brutgebiet „Weiße Wand“
Wichtiges Brutgebiet „Weiße Wand“

4.2.2. Strigidae (Eulen)

Eine Rarität unter den Nachtgreifern ist der Habichtskauz (Strix uralensis), nach dem ebenso vorkommenden Uhu (Bubo bubo) die zweitgrößte Eulenart im Gebiet. Aber auch der kleine Sperlingskauz (Glaucidium passerinum) konnte beobachtet werden, und zwar im gesamten Naturparkgebiet.

4.2.3. Galliformes (Hühnervögel)

Die Raufußhuhnarten Auer-, Birk-, Hasel- und Alpen-Schneehuhn besiedeln in unterschiedlichen Dichten das Untersuchungsgebiet. Über die Anzahl von bspw. dem gefährdeten Auerhuhn (Tetrao urogallus) herrscht leider keine gesicherte Kenntnis. Tatsache ist jedoch, dass sich die Lebensraumbedingungen für dieses große „Waldhuhn“ vielerorts sukzessive verschlechtern.

Herausstreichen möchten wir auch die zierliche Wachtel (Coturnix coturnix), leider ist sie nicht alljährlich im Nahbereich des Sees (bislang nur im Westteil) zu erfassen.

4.2.4. Coraciiformes (Rackenvögel)

Seit einigen Jahren kann der exotisch wirkende Wiedehopf (Upupa epops) als Brutvogel im Naturpark registriert werden, als „gesichert“ im Westteil des Weißensees. Erfreulich sind auch die zu den unterschiedlichsten Zeiten beobachteten Eisvögel (Alcedo atthis) am See, ein Brutnachweis gelang bis dato leider nicht.

4.2.5. Picidae (Spechte)

Sechs Brutvogelarten wurden registriert, darunter auch gefährdete Arten wie der Wendehals (Jynx torquilla) und die größte vorkommende Spechtart, der Schwarzspecht (Dryocopus martius).

4.2.6. Passeriformes (Sperlingsvögel)

Aus dieser umfangreichen Gruppe möchten wir nur drei nicht alltägliche, interessante Arten herausgreifen (sonstige siehe Anhang). Den Neuntöter (Lanius collurio), den man vom Talbereich um den See bis in Almregionen wie z.B. die Alm hinterm Brunn beobachten kann, den heimlichen Mauerläufer (Tichodroma muraria) und das rare, gefährdete Braunkehlchen (Saxicola rubetra).

Neuntöter und Braunkehlchen profitieren von extensiver Bewirtschaftung, übertriebenes Schwenden bzw. Intensivierung in der Almbewirtschaftung entziehen dem Neuntöter Jagd-Ansitzwarten und Nistmöglichkeiten, frühe Mähtermine können dem bodennah brütenden Braunkehlchen zum Verhängnis werden. So ist auch im Untersuchungsgebiet noch kein gesicherter Brutnachweis für diese Art gelungen.

Aufgrund seiner Tarnfärbung und Lebensweise ist der Mauerläufer schwer zu entdecken, zur Verbreitung existieren noch sehr wenige Beobachtungen und Hinweise, der Status als Brutvogel bleibt noch zu klären.

Neuntöter mit Beute
Neuntöter mit Beute - Foto Bernhard Huber

4.3. Amphibia – Amphibien:

Von den neun erfassten Arten sind zwei besonders hervorzuheben: der mit dem Grasfrosch leicht zu verwechselnde Springfrosch (Rana dalmatina) und die seltene, nur verstreut und in geringer Anzahl vorkommende Gelbbauchunke (Bombina variegata) – gefunden in der Laka und im Umfeld der Urschitz in Praditz.

Der Springfrosch konnte im Bodenalm-Tal und am Paterzipf entdeckt werden, nur einmal fand sich ein Exemplar beim jährlich aktivierten Amphibienzaun in Oberdorf.

Leider nur zweimal wurde der Laubfrosch (Hyla arborea) im Bereich der Urschitz/Tschabitscher registriert.

Gelbbauch-Unken bei der Paarung
Gelbbauch-Unken bei der Paarung

Erfreulich ist auch die Dokumentation des raren und selten zu entdeckenden Alpensalamanders (Salamandra atra) auf dem Ausläufer des Latschur, oberhalb der Fellberg Alm. Feuersalamander (Salamandra salamandra) hingegen finden sich im gesamten Gebiet, teilweise sogar im Siedlungsbereich in Häusernähe.

Alpensalamander
Alpensalamander (Salamandra atra)

Teichmolche (Triturus vulgaris) finden wir regelmäßig in den Fangeimern des alljährlichen Amphibienzauns in Oberdorf und den Bergmolch (Triturus alpestris) entdeckt man im Bodenalmtal bei der Hermagorer Bodenalm, nahe der Kavallar-Alm, ebenso wie im Naggler Alm-Gebiet, der Jadersdorfer Ochsenalm und in rund 1600m SH im Bereich der St. Lorenzer Kuhalm.

Teichmolch-Männchen
Teichmolch-Männchen (Triturus vulgaris)

Bergmolch-Männchen
Bergmolch-Männchen (Triturus alpestris)

4.4. Reptilia – Reptilien:

Bei den Schuppenkriechtieren wurden 10 Spezies festgestellt, wobei allerdings die Art Mauereidechse (Podarcis muralis) nicht mit Sicherheit bestimmt werden konnte und es im Fall der Hornotter (Vipera ammodytes) nicht möglich war, die Meldung von Privatpersonen zu verifizieren - Sichtung im Bereich der Gajacher Alm (?). Laut Auskunft von Frau Dr. Helga Happ gäbe es allerdings Hinweise auf „historische“ Vorkommen in den südseitigen, (damals) offenen Hängen im Gebiet zwischen Golz – Spitzegel-Gruppe.

Interessant ist die Habitatwahl der Schlingnatter (Coronella austriaca): sie findet sich in direkter Seenähe im locker bis dicht bewachsenen Uferbereich ebenso (benötigt da aber offene Plätze zum Sonnen) wie im trockenen, gerölligen Umfeld der Weißen Wand in rund 1300m SH. Sie wurde sogar in Häusernähe (Neusach) gesichtet. Eine tote, uns übergebene Jungschlange entpuppte sich als „Schlingnatter“.

Alle entdeckten Schlangenarten besiedeln bis auf die „Gipfellagen“ das Gebiet von 930m an (Seeniveau) bis in Almregionen. Am höchsten allerdings steigt die Kreuzotter (Vipera berus), sie ist häufig in ihrer schwarzen Variation anzutreffen („Höllenotter“). Die Äskulapnatter (Elaphe longissima) jagt im Uferbereich von Gewässern genauso wie in offeneren und trockenen Gebieten, wie bspw. um Almhütten wie der Jadersdorfer Ochsenalm und erreicht über 2 m Länge mit respekteinflößendem Umfang!

Schlingnatter
Schlingnatter (Coronella austriaca)

Das bekannte Vorkommen der Wald- oder Bergeidechse (Lacerta vivipara) beschränkt sich bislang auf den nördlich gelegenen Teil von Praditz, hier gibt es ein Moor mit unterschiedlich dicht bewachsenen und offenen Stellen, angrenzend an bruchwaldartige Bereiche und einer Viehweide. Ideale Bedingungen für diese robuste Eidechsenart.

4.5. Pisces – Fische:

Der Weissensee ist ein oligotropher Seetyp und mit seiner Ausformung und physikalischen Bedingungen ein typisches „Seeforellen-Gewässer“.

Zum Urbestand des Sees zählen die Seeforelle (Salmo trutta f. lacustris), Schleie (Tinca tinca), Aitel (Leuciscus cephalus), Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus) höchstwahrscheinlich auch der Seesaibling (Salvelinus umbla alpinus) und das Rotauge (Rutilus rutilus). Um die Attraktivität des Sees für die Angelfischerei zu erhöhen erfolgten zu unterschiedlichsten Zeiten Besatzmaßnahmen, die erste um 1927 mit Reinanken (Maräne) (Coregonus lavaretus). Weitere folgten, auch ungewollte Einschleppungen geschahen, sodass von ursprünglich 7 Fischarten derzeit 20 Arten zu verzeichnen sind.

Zu den seltenen Fischarten zählen mittlerweile die Seeforelle, Seesaibling, Zander (Stizostedion lucioperca), Amur (Ctenopharyngodon idella), Flussbarsch (Perca fluviatilis), Rotauge, Rotfeder, Aitel (Leuciscus cephalus) und Laube (Alburnus alburnus). Als sehr selten bzw. nur vereinzelt vorkommend gelten Bitterling (Rhodeus sericeus amarus), Kaulbarsch (Gymnocephalus cernua), Brachse (Abramis brama), Silberkarpfen (Hypophthalmichthys molitrix), Giebel (Carassius+auratus gibelio), Wels (Silurus glanis), Rapfen (Aspius aspius) und Bachforelle (Salmo trutta f. fario).

Das sich das Seebecken des Weissensee in drei unterschiedlich tiefe „Becken“ gliedert, von West (maximale Tiefe 6m) nach Ost (tiefste Stelle 99m) ergeben sich auch unterschiedliche Lebensbedingungen für die Bewohner, was zu bestimmten Verteilungsmustern der verschiedenen Fischarten im See führt.

5.) Diskussion:

Das Naturparkgebiet bietet aufgrund seiner Lage, seiner Topographie und der geschichtlichen Entwicklung mit günstigen Entscheidungen in der Vergangenheit für einen „sanften Tourismus“ einer hohen Biodiversität Entfaltungsraum.

Die Feldforschungen förderten neben den „erwarteten“ Spezies auch zahlreiche seltene und überraschende Arten zutage. Insgesamt konnten 226 unterschiedliche Spezies bestimmt werden. Der hohe Anteil an in Roten Listen und in der FFH-Richtlinie gelisteten Tierarten (rund ein Drittel) bedeutet eine große Verantwortung. Der Erhalt eines günstigen Umfeldes für diese reichhaltige Fauna betont die Bedeutung der „Säule Schutz“ im Naturparkkonzept.

Eine große Herausforderung stellt dabei vor allem die Waldbewirtschaftung dar. Auch im Landschaftsschutzgebiet werden mittlerweile „zeitgemäße ökonomische Techniken“ (Harvester) bei der Holzernte bevorzugt, innerhalb von 20 Jahren hat sich das Forstwegenetz beinah verdoppelt und die typischen waldbewohnenden Tierarten sehen sich mit einer zunehmenden Öffnung und Fragmentierung ihres Waldlebensraumes konfrontiert. Die jüngste Entwicklung in der Bewirtschaftung des Grünlandes gibt ebenso Anlass zur Sorge. Immer öfter müssen strukturgebende Hecken, Gebüschreihen und Gehölzgruppen weichen bzw. werden sie alljährlich auf den Stock gesetzt, Almflächen werden rigoros geschwendet und geschlegelt, sodass kaum noch Einzelbüsche stehen bleiben, Waldränder werden „bereinigt“ und wichtige Nahrungspflanzen (Hasel, Holler, Erlen, Weiden…) entfernt.

Das ehrgeizige Ziel Österreichs (und anderer EU-Länder), bis zum Jahr 2020 den Verlust an biologischer Vielfalt und die Verschlechterung von Ökosystem – Dienstleistungen zu stoppen, wird sehr schwer zu erreichen sein, solange derartige Praktiken in der Land- und Forstwirtschaft üblich sind und vielleicht auch noch gefördert werden („Intensivierung der Almbewirtschaftung“ zum Beispiel).

Gerade Schutzgebiete sollten beim Erhalt der Vielfalt eine Vorbildwirkung leisten können. Auch im Naturpark Weißensee werden dafür verstärkt Forschungs- und Monitoringprogramme sowie Bewusstseinsbildung nötig sein. Doch ohne erkennbaren und direkten Nutzen für Grundeigentümer und Bewirtschafter wird es nicht leicht sein, die Ansprüche von Mensch und dem Erhalt der Biodiversität zu vereinbaren.

Mit der Erarbeitung dieser Artenlisten ist ein erster Schritt zur Schaffung einer guten Basis getan. Anhand der durch diese Arbeit erstellten Inventarisierung der faunistischen Elemente des Naturparks können in späterer Folge Trends hinsichtlich Populationsveränderungen und –strukturen besser erkannt und dokumentiert werden.

6.) Literatur:

  • Martin GÖRNER, Hans HACKETHAL: Säugetiere Europas, Enke Verlag, Stuttgart, 1988
  • James FERGUSON-LEES, Ian WILLIS: Vögel Mitteleuropas, BLV-Verlag, 2. Aufl., München, 1991
  • Lars SVENSSON, Peter j. GRANT, Killian MULLARNEY und Dan ZETTERSTRÖM: Der neue Kosmos Vogelführer, Kosmos Verlag, Stuttgart, 1999
  • Josef BLAB, Hannelore VOGEL: Amphibien und Reptilien erkennen und schützen, BLV-Verlag, München, 2002
  • Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten: Amphibien & Reptilien, Sonderreihe Natur Kärnten, Band 5, Klagenfurt 2011
  • Donato Ballasina: Europäische Amphibien, Benziger Verlag, Zürich, 1984
  • Martin Müller: Fischereiinformationen – eine Information für Angler und interessierte Menschen, Petzdruck Spittal/Drau, 2012
  • Rote Listen gefährdeter Tiere Kärntens, Band 15, Hrsg. Amt der Kärntner Landesregierung, Abt. 20, 9020 Klagenfurt, 1999
  • Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs, Grüne Reihe Band 14/1, Böhlau Verlag, Wien, 2005

 

Anschrift des Verfassers:
Mag. Manuela Siller
(Respect to Wildlife)
Oberdorf 85/4
9762 Weissensee

Kontakt:
Tel.: +43 664 894 8254
Mail: manuela.siller@gmx.at

7.) Anhänge:

Artenlisten zu den bearbeiteten Tiergruppen:

Projekt: „Artenlisten im Naturpark Weißensee“:

Gönnen Sie sich ein besonderes Naturerlebnis!

Exkursionen in die Welt der außergewöhnlichen Artenvielfalt im Naturpark Weissensee
Informationen + Anmeldung

Titelfoto Manuela Siller:
Das Untersuchungsgebiet

© Respect to Wildlife 2017