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Ausgerottet, gefährdet und bedroht!

Wildkatze, Feldhase, Waldschnepfe und Co.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand die Europäische Wildkatze in unserem Lande vor ihrem Ende. Sie, die sich bis zu 90% von Mäusen ernährt, in seltenen Fällen auch Niederwild und Vögel reißt, wurde erbittert und gnadenlos mit Flinte, Falle und Gift verfolgt. Zu spät wurde die Wildkatze unter ganzjährige "Schonung" gestellt, denn heute schmälern diverse Freizeitaktivitäten ihren Lebensraum und die durch Hauskatzen übertragenen Infektionskrankheiten wie Panleucopenie (Katzenleukämie), FeLV (Katzenseuche), FIV (Katzenaids) und FIP (Katzenperitonitis) lassen ihr Aufkommen nicht mehr zu. Schotten, Franzosen und die Spanier gingen sorgsamer mit dieser Tierart um, denn in ihren Ländern leben noch größere Bestände. Stark verstreut findet man noch kleinere Populationen im südöstlichen Europa wie Slowenien, Ungarn und der Slowakei. Sie nehmen aber zum Glück, je weiter man in den Osten vordringt, an Umfang zu.


Die Wildkatze wurde schon Anfang des 20. Jahrhunderts in Österreich ausgerottet - Foto RtW Archiv

Sonderstatus

1992 wurde auf dem Erdgipfel von Rio die "Konvention zur biologischen Vielfalt" (Biodiversitätskonvention), welche auch Österreich sich verpflichtend unterschrieb, beschlossen, in der es heißt: "Die Weltfamilie bekräftigt den wahren Wert der biologischen Vielfalt, deren Erhalt ein Anliegen der Menschheit ist." Die politische Realität sieht in unserem Land aber komplett anders aus. Jedes Bundesland schneidert sich seine Jagdgesetze selbst. Nur jene Tierarten, die ohnehin nicht im Jagdinteresse liegen, unterliegen dem Naturschutzgesetz. Das sind: Spitzmäuse alle Arten, Fledermäuse alle Arten, Haselmaus, Baumschläfer, Gartenschläfer, Zwergmaus und Birkenmaus, Kriechtiere (alle Eidechsenarten, Blindschleichen und alle Nattern und Ottern) sowie Lurche, Insekten und Schnecken. Ferner unterliegen alle einheimischen und durchziehenden, nicht jagdbaren freilebenden Vogelarten ebenfalls dem Naturschutzgesetz. Ausgenommen - Raben und Nebelkrähe, Eichelhäher, die gewöhnliche Dohle, Elster, Haussperling, verwilderte Haustaube. Letztere dürfen bejagt werden! Dagegen gäbe es keine Argumente, wäre da nicht die gewöhnliche Dohle (Corvus monedula) - nicht zu verwechseln mit der Alpendohle (Pyrrhocorax graculus) - welche sich bereits in der Vorwarnstufe in den Roten Listen Kärntens befindet. Wie kommt es, dass dieser so selten vorkommende Vogel dennoch abgeschossen werden darf? Dem in den selben Listen angeführt als "stark gefährdeten" Feldhasen stellt man mit organisierten Treibjagden nach und macht für seinen negativen Bestandstrend den Mäusebussard und anderes "Raubzeug"(?) verantwortlich. Es erweckt den Eindruck, dass die Jagd einen Sonderstatus genießt, wenn gefährdete Tierarten ohne Rücksicht auf unsere Verpflichtungen zum Vergnügen abgeschossen werden dürfen! Das Argument der Jäger, regulierend einzugreifen, ergibt in diesem Fall keinen Sinn!


Bedroht: die gewöhnliche Dohle - Foto RtW Archiv

Der Gold werte Mäusebussard

Bär, Wolf, Luchs, Fischotter, Biber, kleines Wiesel, Steinwild, Auer-, Birk- und Haselhenne, das Alpenschneehuhn, Steinhuhn, Wachtel, Wacholderdrossel, Graureiher, Haubentaucher, Bekassine, Taggreifvögel, Eulen und nicht zuletzt auch die Wildkatze sind während des ganzen Jahres zu schonen. Bei "Bedarf"(?) allerdings kann diese Verordnung jederzeit aufgehoben werden. Unter § 51 des "Kärntner Jagd Recht" Absatz 5 ist zu lesen: "Die Landesregierung kann ferner die für eine bestimmte Wildart geltende Schonzeit in einzelnen oder allen Jagdgebieten eines Verwaltungsbezirkes auf eine angemessene Dauer außer Wirksamkeit setzen, wenn dies im Interesse eines geordneten Jagdbetriebes oder der Land- und Forstwirtschaft geboten ist." Ein vielschichtig ausleg- und unendlich dehnbarer Paragraf! Um eventuelle Abschussgründe für die so selten gewordenen Rohrweihen zu finden, wollte man mindestens ein halbes Dutzend von ihnen töten, um über deren Mageninhalt schadhaftes Schlag- Verhalten - abschussbaren Wildes (Feldhasen, Rebhühnern, Fasanen usw.) gegenüber - nachzuweisen. Im Weiteren gibt es laut Ansicht der Kärntner Jägerschaft in einigen Bezirken zu viele Mäusebussarde. Ein Abschussantrag wurde gestellt, jedoch nicht durchgesetzt. Obwohl seine Nahrung zu 90% bis 95% aus Mäusen besteht und dieser Taggreifer somit einen effektiven Gehilfen des Landwirtes darstellt, denkt man dennoch, dass er durch die Aufnahme der restlichen 5% bis 10% jagdbaren Wildes verantwortlich für dessen Bestandsrückgang ist! Darüber schüttelten solide Weidmänner den Kopf! Im "Der Kärntner Jagdaufseher" vom März 2003 - 1/03, 30. Jahrgang, auf der "Seite des Landesobmannes" wird unter dem Titel: "Ist der Bussard wirklich der Feind unseres Niederwildes?" sachlich dargelegt. Zitat: "…Die Wiederbejagung des Bussards mittels Einzelabschussgenehmigungen wird vom Niederwildausschuss "zum Schutze des Niederwildes" gefordert und von den Tagesmedien sofort unmissverständlich zum Nachteil der Jägerschaft ausgeschlachtet. Nun, ohne den Proponenten dieser Forderung nahe treten zu wollen, war ich der Meinung, dass wir diese Zeit schon längst hinter uns haben. Liegt doch das Beutespektrum dieses Greif´s, wissenschaftlich und ornithologisch nachgewiesen bei 70 bis 80% Mäusen, Kröten, Fröschen, Eidechsen und Blindschleichen. Dass er ab und zu auch Jungwild nehmen wird, sollten wir ihm vergönnen. Ist doch bekannt, dass dieser Vogel aufgrund seines Körperbaues und seiner Schwerfälligkeit für die Falknerei nicht geeignet und folglich kaum in der Lage ist, sich an ausgewachsenem Niederwild zu "vergreifen". Zu sehen ist er dafür in Mengen - im Gegensatz zum wirklich gefährlichen Habicht! Und wie sieht es überhaupt mit der Artenkenntnis von uns Jägern aus. Ein vor zwei Jahren in Oberösterreich erlegter Habichtskauz mit Sender (ein Projektvogel aus dem Bayerischen Wald) und ein vor wenigen Tagen im Burgenländischen Seewinkel mit Schroten beschossener Kaiseradler (nur ein Brutpaar dieser Art in Österreich!!!) sind wahrlich abschreckende Beispiele dafür, was der Jägerschaft an Kritik und Diskussion ins Haus stehen wird, wenn das Projekt "Bussardbejagung" danebengeht! Wissen wir doch, dass alles Raubwild und seine erschwerte Bejagung durch die Fallenbeschränkungen, die industrialisierte Landwirtschaft mit ihren Monokulturen, Herbi- und Pestiziden, die zersiedelte und zerstörte Landschaft mit den vielen Verkehrswegen die wahren Feinde unserer Niederwildbesätze sind. Dies hat trefflich auch der Vorgänger im Amt des heutigen Niederwildreferenten erkannt und in einem Leserbrief in einer namhaften Tageszeitung vom 19.Jänner dieses Jahres festgehalten."


Der Gold werte Mäusebussard - Foto RtW Archiv

Die gefährdete Waldschnepfe

Die Gefahr wohl wissend definiert, sollte ein solcher Abschuss wieder beantragt werden und sich durchsetzen, besteht darin, dass dann auch der Wespenbussard, der Zwergadler und so manche Weihe daran glauben wird, denn selbst für fachkundige Augen sind die Unterscheidungsmerkmale dieser Spezies sehr diffizil. Durch Versuche in vielen Ländern Europas wurde nachgewiesen, dass alle bestandschwachen Wildarten bei Schonung durch die Jagd - trotz vorhandener Greifvögel (und anderem "Raubzeug") - in relativ kurzer Zeit zugenommen haben. Auch das Vorkommen der Waldschnepfe ist in einigen Teilen Kärntens nicht mehr nachzuweisen. Nicht umsonst steht sie als "ihre Gefährdung ist anzunehmen" in den Roten Listen. Dennoch wird der nicht mehr alltäglich gewordene Vogel bei sich bietender Gelegenheit abgeschossen. Über vorausblickende Jagdverantwortliche und -ausübende, welche ihr Wissen über die ökologischen Zusammenhänge erweitert haben, soll hier achtungsvoll erwähnt werden, dass auch sie durch ihr waidmännisches Verhalten und durch Aufklärung in ihrem Umfeld einen zur Erfüllung des Biodiversitätsabkommens effizienten Beitrag leisten. Ich wünschte mir mehr von ihnen!

Ihr Hans Peter Sorger


Schwanzfeder Waldschnepfe, Unterseite - Foto M. Gengler

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Titelfoto RtW Archiv:
Der stark gefährdete Feldhase.

In der Rubrik "Der Wert der Vielfalt" stellt H.P. Sorger unter Mitarbeit der Zoologin Mag. Manuela Siller monatlich neu Erkenntnisse aus der Feldforschung vor.

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