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Baumfalke – schnell und wendig

Falco subbuteo

Den Bewirtschaftern von Wald, Wiesen und Feldern am Weissensee (Ktn) gehört Lob gezollt, denn innerhalb von 18 Jahren hat sich durch den Verzicht auf Kunstdünger und Pestizide einiges positiv verändert. Zum Einen haben sich die Qualität und auch der Geschmack der Milch verbessert und zum Anderen hat die Biodiversität, also die Artenvielfalt, floristisch und im Besonderen der Vogelbestände wieder zugenommen. Leider trifft diese Verbesserung an vielen Orten Kärntens nicht zu!

Von 1994 bis 1996 haben Mag. Manuela Siller und ich, gemeinsam mit dem Ornithologen Alfred Amberger aus Ludwigshafen, 54 Vogelarten erhoben und datiert. Heute können wir auf eine Bestandszunahme von mehr als 100% zurückgreifen. Der Wiedehopf, die Wachtel, die Mönchsgrasmücke, die Zipammer und der Karmingimpel, um nur einige zu nennen, sind wieder zurückgekehrt. Besonders stolz aber dürfen wir auf die bereits vier Jahre anhaltenden Bruterfolge von Wander- und Baumfalken sein. 1992 gab es in Österreich nur noch etwa 130 Wanderfalken- und etwa 400 Baumfalken-Brutpaare. 2004 hatte sich der Bestand Ersterer, laut A. Gamauf, auf 250 Paare und jener der Baumfalken auf 600 Paare erhöht.

Baumfalke
Baumfalke - Foto: Jakob Zmölnig

Um den Nistplatz nicht zu verraten

Obwohl der Baumfalke (Falco subbuteo) eher im Tiefland anzutreffen ist balzte erstmals Mitte Mai 2002, im Bereich von Stampfers Märchenwiese, ein Paar. Zumeist verrät diese Spezies in dieser Zeit ihre Ruffreudigkeit. Im Duett oder Wechselgesang lahnen sie ihr nasales „gääth, gääth“. Bevorzugt beziehen sie weitab ihres Balzrefugiums ein verlassenes Rabenvogel-Nest, um ihrem Brutgeschäft nachzukommen. Dafür zogen sich besagte Tiere ins Umfeld oberhalb des Alpls, auf über 1200 Meter SH zurück. (Ästlings-Beobachtung von Siller und Nöstlinger am 12. August 2002). Ist das erste Ei, zumeist Anfang Juni gelegt, verstummen ihre Rufe und nur durch intensives Beobachten entdeckt man in respektierlicher Entfernung vom Gelege - zwei bis drei Kilometer - das Männchen beim Jagen. Alle Auffälligkeiten werden vermieden, um den Nistplatz des allein brütenden Weibchens nicht zu verraten. Von da an dauert es ca. 60 Tage bis die Jungen flügge sind. Nach einer Pause von 4 Jahren konnte wieder ein Paar am Nordufer im Westteil des Weissensees Mitte Mai 2006, nach Libellen jagend, beobachtet werden. Alljährlich brütet nun diese Art erfolgreich in den auslaufenden Wäldern des Arlings. Hier zeigt sich ihre ausgeprägte Brutorttreue!

Baumfalke
Zwei Junge großzuziehen ist Schwerarbeit - Foto: Jakob Zmölnig

 

Raub – als wär’s die selbstverständlichste Sache der Welt

Bislang konnten insgesamt acht Jungvögel, meist Mitte August, bei spektakulären Trainingsflügen, der Futterübernahme hoch in den Lüften durch die Elterntiere, sowie ihr auffälliges Rufen im Chor gesehen und gehört werden. Schnell- und Wendigkeit zeichnen diese Luftjäger aus. Im Schräg- oder Steilstoß aber auch aus dem flachen Pirschflug fangen sie im offenen Luftraum fliegende Großinsekten wie Libellen, Käfer, Tagfalter und Kleinvögel. Von Tuschnigs schattseitigem, im Landschaftsschutzgebiet liegendem Seegrund aus, sah ich auf einer den Wald begrenzenden Fichte ein Turmfalkenmännchen am Ansitz. Ein leichtes Nicken des Kopfes zeigte mir den kurz bevorstehenden Abflug des Greifvogels an. Wie ein Stein ließ er sich mit angelegten Flügeln zu Boden fallen und landete mit ausgestreckten Fängen und breiten Schwingen zielsicher auf einer Maus. Nur Bruchteile einer Sekunde später schoss aus dem Nichts ein Baumfalke zu dem vor ihm gelandeten Greifer und stahl ihm, als wär’s die selbstverständlichste Sache der Welt, seine Beute.

Baumfalke
Am Ansitz - Foto: Bernhard Huber

Zurück ins tropische Afrika

Das Jagdrevier dieses Paares ist meiner Schätzung nach nicht größer als 2-3 km². Unter Baumfalken gibt es, wie am Presseggersee (bei HE Ktn) beobachtet, keine Streitigkeiten auf Beuteflügen, lediglich ihre Brutreviere verteidigen sie auch gegenüber Artgenossen. Kein Falkenvogel baut sich sein Nest selbst. Der Turmfalke beispielsweise legt seine Eier bevorzugt auf Fels- oder Mauernischen, während Baumfalken sich ein verlassenes Krähen-, Raben- oder Hähernest suchen. Da aber solche Horste im Winter leicht zu Bruch gehen, müssen im folgenden Jahr häufig neue Brutstätten gefunden werden.

Baumfalke
Baumfalke mit Jungen - Foto: Jakob Zmölnig

Als ausgesprochener Zugvogel verlässt der Baumfalke Ende September, Anfang Oktober sein Brutgebiet, um im tropischen Afrika, südlich des Äquators die Zeit bis ins nächste Frühjahr zu verbringen. Auf dem Weg dorthin überfliegt er das Mittelmeer und die Sahara. Schon im März des folgenden Jahres bricht er auf und trifft bereits Ende April, Anfang Mai wieder in seinem Brutgebiet ein.

Baumfalke
Baumfalke - Foto: Jakob Zmölnig

Bindegarn - lebensgefährlich

Bedauerlicherweise werden diese Falken im Mittelmeergebiet immer noch illegal abgeschossen; so ist bekannt, dass allein auf der Insel Malta jährlich 500 bis 600 Baumfalken schießwütigen „Jägern“ zum Opfer fallen. Es ist für diese Menschen eine „sportliche Herausforderung“ so viele Vögel wie möglich abzuknallen. Zumeist werden die Kadaver in Mülltonnen oder unter Steinen entsorgt. Heute sind Baumfalken in unserem Umfeld eher natürlichen Gefahren ausgesetzt. Bei Rabenvogel-Nester werden die Nistmulden häufig mit landwirtschaftlich gebrauchtem Bindegarn ausgepolstert. Jung- wie Altfalken verfangen sich im Garn und sind zumeist unwiederbringlich verloren, aber auch Krähen, Uhus und Waldkäuze plündern gelegentlich ihr Gelege. In den 60er Jahren griffen profitgierige Menschen nachhaltig in die Falkenpopulation ein, indem sie Eier den ausgekundschafteten Horsten entnahmen, um mit arabischen Scheichs lukrative Geschäfte abzuwickeln. Zwischen 10000,- und 40000,- Schilling bezogen die Ganoven für ein einziges gesund abgeliefertes Wander- oder Baumfalkenei. In winzig kleinen, batteriebetriebenen Brutboxen wechselten nicht nur in Wiener Fünfsterne Hotels die ausgehorsteten Eier ihre Besitzer. Heute gibt es in diesem Genre Zuchtstationen für begehrte Falken und der illegale Handel mit Wildwüchsen zwecks Blutauffrischung ist glücklicherweise zurückgegangen. Die Paarbestände haben Anfang des 21. Jhdts. ihren Höhepunkt erreicht. Die Folgen der Zunahme des Uhus halten die Falken-Population stabil.

Ihr Hans Peter Sorger

Baumfalke
Baumfalke - Foto: Jakob Zmölnig

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Titelfoto Bernhard Huber:
Weitab von jeder Deckung hatte die Meise keine Chance.

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