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Borkenkäfer - Primärkonsument! Destruent?

Als Scolytinae wird er in der Wissenschaft bezeichnet und ist durch menschliches Verschulden zu einem gefährlichen Schädling mutiert. Durch Monokulturen wurde die Grundlage zur Massenvermehrung dieses Rüsselkäfers geschaffen. Obwohl dieses Insekt bei normaler Population durchaus eine wichtige Rolle im Stoffkreislauf des Ökosystems Wald spielt, wurde es zum Forstfeind Nr. 1

Nehmen wir den, vor allem den Fichtenwald in Bedrängnis bringenden Buchdrucker oder auch „Großer achtzähniger Fichtenborkenkäfer“ genannt (Ips typographus), genauer unter die Lupe. Der dunkelbraune, walzenförmige Körper erreicht eine Länge von 4 bis 5,5 mm. Der sich nach hinten verbreiternde Käfer, verdeckt seinen Kopf schützend unter einem Halsschild welches behaart ist und an der Basis kleine Punkte aufweist. Diese Art zählt zu den Rindenbrütern. Ihre Aktivitäten sind sehr gut am braunen Bohrmehlauswurf an der Fichte zu erkennen. Die Larvengänge des Käfers sind typisch, ähneln in der Aufsicht geschnittenen Lettern, und gaben ihm den Namen Buchdrucker. In der Hauptsache befällt er Fichten, aber auch Lärchen, Kiefern und Weißtannen sind vor seinen Attacken nicht gefeit.

Fichtenborkenkäfer

Massenvermehrung

Alle gesunden Nadelbäume sondern toxisch wirkende Harze ab, um Insekten abzuwehren. Jedoch durch die unnatürlich angelegten Monobestände, beginnen einige Bäume zu schwächeln und gerade die werden durch Geruchstoffe von den Käfern selektiert und angeflogen. Bei geeigneter Witterung (Trockenheit, Hitze und Windstille) dienen diese Brutherde der Massenvermehrung. Einzelne Käfer können einer kränkelnden Fichte keinesfalls den Garaus machen, dazu bedarf es vieler Angreifer. Bohrt sich das Insekt durch die Rinde, beginnt sich der so Attackierte durch vermehrte Harzproduktion zu wehren. Die ersten Angreifer fallen den Giften und der klebrigen Masse zum Opfer. Gerade diese Abwehr kann fatale Folgen haben, denn in diesem Prozess wandelt der Fichtenborkenkäfer jene abwehrenden Harzinhaltstoffe in Duftstoffe um. Die Folge: die Attraktivität des Baumes steigt und steigert die Angriffslust anderer Artgenossen. Die ausgefeilte Strategie eines millimeterkleinen Insekts kann ganze Wälder vernichten.

Sinnige Tricks

Im sogenannten Schwärm- oder Dispersionsflug sind die von Bäumen ausgehenden Duftstoffe für den Anflug von schwärmenden Buchdrucker-Männchen ausschlaggebend. Die Primäranlockung zu potenziellen Wirtsbäumen wird durch Signalstoffe gesteuert. Hat das Männchen das richtige Habitat gefunden, scheidet es über den Hinterleib das Aggragationspheromon Ipsdienol, sowie Methanbutenol aus. Lockstoffe dem die Borkenkäfer-Weibchen nicht widerstehen können und sich freudvoll den Männchen hingeben. Nach der Paarung wird der Wirtsbaum vollständig besiedelt. Nun hat der kleine Wicht wiederum einen sinnigen Trick auf Lager. Um die Überlebenschancen seiner nachwachsenden Brut zu sichern verbreitet er repellent (abstoßend) wirkende Pheromone, um eine Überbesiedelung des Baumes zu verhindern.

Tausendfache Vermehrung

Sagenhaft, stellt man sich vor, dass sich in einem einzigen günstigen Jahr drei Generationen ausbilden, was zu einer Vertausendfachung der Population führt. Bei Temperaturen von 15 Grad ab Mitte April dauert die Entwicklung von der Eiablage bis zum geschlechtsreifen Insekt sechs Wochen. Mitte Mai entsteht bereits die zweite Generation usw. Zumeist befällt der erste Schlupf wegen geringen Saftdruck liegendes Holz, hingegen die zweite und dritte Generation delektiert sich ausschließlich am stehenden Wirtsbaum. Bei Trockenheit und somit schlechter Wasserversorgung suchen sich die Käfer die vitalsten Bäum im inneren des Bestandes, was wiederum viel zu spät entdeckt wird. Die erste Generation setzt zumeist gravierende Schadensmerkmale. Der durch den Befall am Aufsteigen gehinderte Saftstrom führt gerade im Frühjahr zur sofortigen Austrocknung der Nadeln und somit zum Rotwerden.

Die Gradation, also die stufenweise Erhöhung der Population, kann nur durch mehrere kalte Sommer beendet werden. Zumeist wird das nicht gespielt und so liegen zwei unterschiedliche Meinungen, zur Bekämpfung des Buchdruckers vor: In der sauberen Bewirtschaftung des Waldes liegt der erste Schritt - jeder befallene Baum muss sofort aus dem Wald entfernt werden – schlägt die Erste vor; hingegen besagt die Zweite - ist die Befallsdichte durch den Käfer enorm hoch, dann kommt es zu Masseninfektionen durch Pilze, Sporozoen, Bazillen und Viren was ein Massensterben des Borkenkäfers zu Folge hat. Dieses Sterben würde durch das Abtransportieren befallener Bäume verhindert werden. Völlig falsch ist der Glaube, dass durch sogenannte „Käferfallen“ ein Buchdruckerbefall verhindert oder dezimiert werden kann. Sie dienen lediglich der Beobachtung von Schwärmflügen, aber auch das ist umstritten, da davon bislang, wegen verschiedener Faktoren (Überlagerung von Folge- und Geschwisterbruten) kein hilfreicher Wert abgeleitet werden kann. Erstrebenswert wäre eine Bekämpfung auf biologische Weise. Die Vorschläge sind zahlreich, deren Effizienz bleibt jedoch unklar.

Dreizehenspecht
Dreizehenspecht, der Borkenkäfer Fressfeind Nr. 1 - Foto Jakob Zmölnig

Vorbeugende Maßnahmen

Fest steht, dass sich Mischwälder vor Borkenkäferattacken besser selbst schützen können, vorausgesetzt man verfügt über ein ökologisches Gleichgewicht, bestückt mit Fressfeinden dieses sich gefährlich vermehrenden Insekts. Zu den Käferfressern zählen Vögel, der Dreizehenspecht im Besonderen, Spitzmäuse, Fledermäuse, Schlupfwespen, Pilze, Viren, Bakterien und Keime, um nur einige zu nennen. Respect to Wildlife war und ist bemüht Überpopulationen von Borkenkäfern - durch besondere Bestandstützungsprojekte für Spechte und Fledermäuse - zu verhindern. Ich weiß aber auch, dass in Monokulturen, welche ihnen den besten Nährboden bieten, diesen Insekten kaum beizukommen ist. Vorbeugende Maßnahmen haben sich jedenfalls noch nie negativ ausgewirkt.

Fledermaus
Auch Fledermäuse sind Borkenkäfervernichter - Foto RtW Archiv

Ihr Hans Peter Sorger

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Titelfoto RtW Archiv:
Fraßspuren gaben ihm den Namen Buchdrucker.

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