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Erdkröten - effizienter als Pestizide

Als Bufo bufo ist sie im gesamtpaläarktischen Raum bekannt, die Erdkröte - ein Froschlurch. Sie zählt zu den „Echten Kröten“ unter den Kröten und sie gehört zu den größten Schädlingsbekämpfern im „chemiefreien“ Gartenbau. Sie ernährt sich von den unterschiedlichsten Insekten, Käfern, Asseln, Spinnen, Schnecken und Würmern.

Eine Körperlänge von 13 Zentimeter weisen die Weibchen auf, während die Männchen nur maximal 9 Zentimeter erreichen. Die Oberseite ihres Körpers ist mit warzigen Hautdrüsen übersät. An der Hinterseite des Kopfes befinden sich zwei paarige, stark bohnenförmig hervortretende Drüsen mit denen diese Tiere zur Abwehr von Fressfeinden Hautgifte absondern. Den Männchen fehlt die Schallblase, über die die Wechsel- oder Kreuzkröten verfügen und in höchsten Tönen damit flirten. Unsere Kröten hingen geben nur ein leises, wehmütiges Quaken von sich. Bei beiden Geschlechtern ist die Unterseite hellgrau und grau-schwarz gesprenkelt. Weibchen haben zumeist rötliche Hauttönungen, hingegen Männchen schwarzbraun bis zu lehmfarbig erscheinen. Abgesehen davon, dass die Männchen kleiner als die Weibchen sind, haben jene kräftigere Vorderbeine und sind in der Paarungszeit an den Brunstschwielen der jeweils drei inneren Finger leicht zu erkennen. Das Auffälligste an den Erdkröten sind die wunderschönen Augen. Mit goldgelber bis kupferfarbener Iris und waagerechter Pupille erspähen sie ihre Welt und man vermutet bei genauer Betrachtung eine erkleckliche Portion an Weisheit in ihnen.

Männchengerangel
Das Gerangel um Krötendamen ist heftig - Foto Manuela Siller

Im März regt sich ihr Liebesleben

Diese wechselwarmen Lurche sind vor allem in der Dämmerung aktiv, während sie tagsüber im Verborgenen ruhen. Geschickt nutzen sie Totholz, Steinhaufen, Laubanschüttungen als Verstecke und sind durchaus in der Lage sich selbst einzugraben. Als idealen Lebensraum bevorzugen sie Mischwälder mit krautreichem Unterbewuchs, jedoch ist das Spektrum ihrer Lebensräume breit gestreut. In Parkanlagen fühlen sie sich ebenso wohl wie in halbfeuchten und trockenen Wäldern, Sand- und Geröllgruben, ja selbst in feuchten Kellern finden sie sich zurecht. Fehlen in ihrem Umfeld jedoch großflächige Laichgewässer ist die Art nicht überlebensfähig. In unseren heimischen Erdkröten regt sich nach der Winterstarre ziemlich synchron bereits im März ihr Liebesleben. Das unbändige Bestreben hin zum Wasser, hin zu ihren Laichgründen führt zu Massenwanderungen. In vielen Fällen haben Männchen bereits ihre Eroberungen umklammert, um sie für die Paarung im Wasser zu sichern. Huckeback werden sie von ihrer Auserwählten bis ins Wasser getragen.

Männchen + Weibchen
Hat ein Männchen ein Weibchen gepackt... - Foto H.P. Sorger

Laichplatz
...dann trägt es ihn über Kilometer zum Laichplatz - Foto H.P. Sorger

Kommt es zu verspäteten Frosteinbrüchen graben sie sich an Ort und Stelle ein und warten reglos auf wärmere Zeiten und setzen unbeirrt, in großem Aktionsradius ihren Weg fort. Somit ist der Straßentod für viele vorprogrammiert! Aber auch im Naturpark Weissensee, konnten wir nach dementsprechender Überzeugungsarbeit über die Nützlichkeit von Frosch, Kröte und Molch einen Amphibienzaun, von einer Länge eines halben Kilometers installieren. Respect to Wildlife hat dafür die Verantwortung übernommen und in den letzten drei Jahren unter Mithilfe von „Camping“ Sven, über 1500 Erdkröten unzähligen Grasfröschen und Molchen, ja sogar zwei Ringelnattern über die Straße getragen und vor dem Verkehrstod bewahrt. Zurzeit kann man die Reproduktion dieser Kröten im seichten Uferwasser des Weissensees beobachten. Bis zu vier Meter lange Laichschnüre mit 3000 bis 6000 Eiern produzieren die Weibchen innerhalb von acht bis 12 Stunden, wovon jedes Einzelne vom Männchen besamt wird.

Laichschnüre
Vier bis fünf Meter lange Laichschnüre mit 3000 bis 6000 Eiern - Foto Manuela Siller

Schon nach wenigen Tagen, je nach Umgebungstemperatur haben sich die Kaulquappen entwickelt. Die schwarzen, bis zu 40 Millimeter langen Larven kann man in großen Schwärmen beim Abweiden von Algen beobachten und segnet ein Artgenosse das Zeitliche betätigen sich dessen Brüder und Schwestern als Aasfresser. Erst nach etwa zwei bis drei Monaten Wasserleben mutieren diese Geschöpfe um in lungenatmende, vierbeinige Landtiere. Beinahe gleichzeitig und in großer Zahl machen sie sich auf den Weg ans Ufer. Viel kleiner als sie als Kaulquappen ihr Dasein fristeten, nämlich nur mit maximal 12 Millimeter Länge beginnt ihre nächste Reise, denn der Ruderschwanz hat sich zurückgebildet und der gesamte Rumpf hat sich erheblich reduziert. Diese „Schrumpfungsumwandlung“ entspricht einer normalen Entwicklung.

Krötenwanderung
Auf zu den Laichplätzen - Foto Manuela Siller

Regungslose Beutetiere nehmen sie nicht wahr

Nun beginnt für diese kleinen Kreaturen eine völlig neue Ernährungsweise. Beutetiere erkennen sie nur, wenn sich diese bewegen, dann aber schnellt bei kleinformatigen Leckerbissen ihre Zunge aus dem Maul und die Mahlzeit ist sichergestellt. Hingegen schießt der ganze Körper bei größeren Objekten nach vorne und die Kiefer kommen zu kräftigem Einsatz. Die Beute, selbst kleine Mäuse werden im Ganzen verschlungen und beim Verschlingen die Augäpfel in den Schädel eingezogen. Frisch aus dem Erdreich gezogene Regenwürmer werden vor dem Verzehr mittels „Zwischenfingerzug“ gereinigt.

Heilmittel im Altertum

Nur durch zeitaufwendiges Beobachten weiß man, dass sich Erdkröten häuten, denn sie verspeisen die alte aufgeplatzte obere Hautschicht, nachdem sie sich aus ihr herausgewunden haben. Nicht die Haut selbst, sondern die darunter liegenden Drüsen produzieren Gifte - Sekrete die der Abwehr von Fressfeinden dienen. Die Zusammensetzung unterschiedlicher Chemie wie unter anderem Adrenalin, Epinin, Dopamin, Bufotenin, verwendete man bereits im Altertum als Heilmittel.

Erdkrötenkübel
50 bis 60 Erdkröten fallen mitunter in so einen Kübel - Foto H.P. Sorger

Schmeißfliegen und Plattegel

Leicht haben es Erdkröten nicht, denn von Anbeginn ihres Lebens begleitet sie eine Unzahl von Feinden. Die Ärgsten unter ihnen, der Gelbrandkäfer und andere Wasserinsektenlarven setzen ihnen bereits im Larvenstadium arg zu. Von Großlibellen, Flussbarschen und Kleinhechten werden sie ebenfalls nicht verschmäht. Der hinterhältigste Drecksack, aus menschlicher Sicht, ist Lucilia bufonivora, eine Schmeißfliegen-Art, welche in den Sommermonaten ihre Eier vor allem auf den Hinterkopf von Erdkröten ablegt. Schon in wenigen Tagen schlüpfen die Larven. Diese wiederum haben nichts anderes zu tun als in die Nasenlöcher der Amphibien einzudringen. Danach fressen sich diese parasitären Schmarotzer durchs Kopfgewebe und deformieren eine Kröte bis zur Unkenntlichkeit. Schließlich verendet das Tier und die Maden nutzen den Kadaver bis zur Vollentwicklung einer Schmeißfliege. Nicht gerade zimperlich verhält sich Hemiclepsis marginata, ein Plattegel, er saugt ihnen das Blut bis sie sterben aus dem Körper. Nicht jede Schlangen-Attacke auf Erdkröten ist von Erfolg gekrönt, zumal diese Beute es versteht sich sosehr aufzublähen, dass ein Verschlingen unmöglich wird - die Natter lässt den für sie zum Medizinball groß gewordenen Lurch frustriert wieder los. Störche, Reiher, Raben- und Greifvögel, Marder, ja sogar Katzen haben Kröten zum Fressen gern. Durch Straßen zerschnittene Lebensräume fügen ihnen auf ihren Wanderungen große Verluste zu. Schützen wir diese Kreatur, denn sie gibt uns viel Positives zurück.

Ihr Hans Peter Sorger

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Titelfoto H.P. Sorger

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