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Heimlich - manchmal unheimlich

Strix uralensis

Als Strix uralensis ist der Habichtskauz international in Fachkreisen bekannt. Seinen deutschen Namen verdankt er seinen breit gebänderten und langen Stoßfedern, welche dem des Habichts ähnlich sind. In Österreich ist er vom Aussterben bedroht, vereinzelt findet man ihn noch im Kärntnerland und gemeinsam können wir diesen wunderschönen und nützlichen Eulenvogel wieder heimisch werden lassen.

In Finnland, Schweden und Russland ist das europäische Hauptvorkommen. Im östlichen Mitteleuropa (Südost-Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn) gibt es zwar noch isolierte Brutgebiete, sogenannte eiszeitliche Relikte. Auch Slowenien verfügt noch über so ein Relikt und vermutlich verdanken wir diesem Land einige unregelmäßige Zuwanderungen vom Habichtskauz zu uns nach Kärnten. Ein wenig ähnelt er dem Waldkauz ist aber erheblich voluminöser und mitunter doppelt so schwer. Wie bei allen Greifvögeln ist das Weibchen größer als das Männchen. Bei vorliegender Spezies brütet ausschließlich das Weibchen, während das wendigere Männchen die Beute heranschafft. Allgemein sind beide sehr risikoreiche Jäger. Niedrig fliegend suchen sie das Gelände ab oder erwählen eine günstige Ansitzwarte. Ganzjährig erbeuten sie Mäuse und in besonderen Jahren kann der Anteil an Wühlmäusen 90% ihrer Gesamtbeute betragen. Im Winter sind sie sogar in der Lage Mäuse unter einer Schneedecke von 20 bis 30 cm zu greifen. Es ist ihr feines Gehör mit dem sie ihre Beute lokalisieren. Diese furchtlose Eule schlägt aber auch Tiere bis zu einer Größe vom Eichelhäher und nimmt nicht selten auch Heuschrecken, Glanz- und Maikäfer.

Habichtskauz
Mandeläugig betrachtet er sein Umfeld - Foto Fulvio Genero

Unheimlich stur

Die Legeperiode hängt stark vom Nahrungsangebot ab und beginnt bei uns von Mitte Februar bis Mitte März. Unheimlich stur, selbst bei einschneidenden Störungen, sitzt der brütende Nachtgreifer über dem Gelege. Auf einem offenen Nest lässt er sich einschneien und legt nur kurze Brutpausen von wenigen Minuten ein. Gelegentlich bedeckt das Männchen inzwischen die Eier, während das Weibchen sich putzt, schüttelt und Kot abgibt. Die Brutzeit beträgt etwa 28 Tage, jedoch einen Tag vor dem Schlupf kündigen die Jungen durch Rufen im Ei ihr Erscheinen an. Ist dieses in die "Welttreten" vollzogen reagiert das Männchen vermehrt mit Nestbesuchen und platziert seinen Tageseinstand in Stimmhörweite zu seiner hudernden Lebensgefährtin. Beide verteidigen mit größter Entschlossenheit und Aggressivität gegen jeden Eindringling ihren Nachwuchs. Die Variabilität ihrer akustischen Äußerungen ist mit keinem anderen Nachtgreifer vergleichbar. Gegen Rivalen setzt der Vogel seine Stimme so kraftvoll ein, dass sie über einen Kilometer hörbar ist. Interessanterweise ist beiden Geschlechtern ein Nestzeigelaut eigen, der sich beim Männchen weich, hingegen beim Weibchen eher blechern anhört. Als Distanzierungslaute setzen sie hundeartiges Bellen oder Kläffen ein. Vor allem bei Gefährdung der Ästlinge wird lauthals in Serien gekläfft. Obwohl das Weibchen das Männchen dominiert führt das Paar eine monogame dauerhafte Ehe und es kann ein Alter von 22 bis 30 Jahren erreichen.

Habichtskauz
Gut getarnt sitzt er auf einer Lärche - Foto Fulvio Genero

Feinspitze - nur knochenfreie Fleischstückchen werden gereicht

Das Beute eintragende Männchen füttert nur selten die Jungen, vordringlich übernimmt das das Weibchen. Es verteilt knochenfreie Fleischstückchen in die 3 - 4 hungrigen Schnäbel. Nehmen die Jungvögel nur schwerfällig die gereichten Bissen an, dann wird das Muttertier energisch und es gibt einen Fütterungslaut von sich. Dieser wirkt, scheint es, ähnlich wie ein Aperitif und die schnabelgerechten Happen werden gierig verschlungen. In späterem Entwicklungs-Verlauf, nach der vierten bis fünften Woche, flugunfähig, erreicht der Nachwuchs halb flatternd, kletternd, den Schnabel zu Hilfe nehmend und hüpfend einen sicherheitshalber höher gelegenen Ast, sodann werden sie Ästlinge genannt und bereits mit ganzen Mäusen oder grob herausgerissenen Brocken versorgt. Erst mit einem Alter von drei Monaten beherrschen die Jungeulen das durch die Luft Schweben und den Ruderflug. In dieser Lebensphase beginnen bereits Beutefangspiele. Nach etwa 100 Tagen trennen sie sich von ihren Geschwistern und Eltern und der Ernst des Lebens beginnt.

Habichtskauz
Erstaunt reißt er die Augen auf - Foto Jakob Zmölnig

Eine wichtige Schutzmaßnahme

Zum ersten Mal sah ich ihn vor zehn Jahren. Still und heimlich saß er am Ast, direkt am Stamm einer Buche, keinen 15 Meter von mir entfernt und er sah mich mit seinem großmütterlichen Gesicht und den dunklen, mandelförmigen Augen fragend an. Es war ein eiskalter Wintertag, 15 Uhr 10, wolkenlos und windstill. Ehrlichgestanden - dieser Anblick erfüllte mich mit großer Freude, denn in unseren Breiten, noch dazu im Landschaftsschutzgebiet Weissensee, vermutete keiner unserer namhaften Ornithologen diesen raren Nachtgreifer. Auch unsere Zoologin Mag. Manuela Siller war von meiner und in späterer Folge unseren Beobachtungen, diese Eule betreffend, begeistert. Mittlerweile konnte ein Pärchen bestätigt werden, welches auf einem Areal von ca. 500 ha ihren Lebensunterhalt findet. Heute wissen wir mehr über diesen in Österreich vom Aussterben bedrohten Greifer und beschlossen ein bestandstützendes Projekt zu kreieren. Mit Unterstützung der Landesregierung, Abteilung 20, Landesplanung - Naturschutz, den Österreichischen Bundesforsten Kärntens, der Gemeinde Weissensee und in beratender Eigenschaft namhafter Ornithologen, sind die Ausbringung von 15 Nisthilfen im 76 km² großen Naturpark Weissensee vorgesehen. Habichtskäuze bevorzugen Bruthöhlen in ausgemorschten Totbäumen, davon sind allerdings nur wenige vorhanden. Erfahrungsgemäß werden dafür eigens konstruierte Nistkästen gerne angenommen und es ist eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen, in für den Habichtskauz geeigneten Habitaten.

Habichtskauz
Die Nisthilfen sind bespiegelt - Foto Walter Windhorst

Nur durch ein Miteinander wird es möglich

Wollen wir diesen raren, hübschen und nützlichen Bewohner im Naturpark Weissensee erhalten, dann ist das nur durch ein Miteinander möglich. Österreich hat mehrere internationale Artenschutzabkommen unterzeichnet und ratifiziert. Deshalb ersucht Respect to Wildlife Waldbesitzer, Jagdausübende, Almwirte und Nachbarschafts-Gemeinschaften dieses Projekt zu unterstützen, um das Überleben dieses nützlichen Indikators zu sichern. Die damit erreichbare Aufwertung der Biodiversität im Naturpark Weissensee ist ein nicht zu unterschätzendes Kapital.

Ihr Hans Peter Sorger

Quellennachweis: "Die Eulen Europas" Kosmos Naturführer von Mebs und Scherzinger

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Titelfoto Fulvio Genero:
Auf der Ansitzwarte

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