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Ein dreister Versuch verlorenes Jagdimage wieder aufzupolieren

Unter dem Titel „Jäger im Visier“ erschien in einer Kärntner Regionalzeitung am 7. November 2008 eine streng zum Himmel riechende Anzeige.

Bei der auf Imagepflege für die Jagd und der Jäger ausgerichteten Einschaltung stellen sich bei jedem denkenden Menschen die Haare zu Berge.
Der von uns sehr geschätzte Kärntner Landesrat und Jagdreferent Dr. Martinz meint darin über die Jagd, Zitat: „Es ist die Leidenschaft und Verbundenheit mit der Natur, die keinen frühen Morgen zu kalt, keinen Berg zu steil macht und den Weidmann den Schöpfer im Geschöpfe ehren lässt.“ Dieser Satz kann ebenso mit ihm geteilt werden wie folgender. Zitat: „Der Jäger mit Leib und Seele versteht sich als Tier- und Naturschützer. Aus einer ökologischen Notwendigkeit heraus ergreift er die Initiative für den Naturhaushalt.“
Die damit von ihm angesprochenen jagdlichen Handwerker gibt es nur noch in äußerst rarer Streuung. Es sind jene, bei denen der Schutz von Artenvielfalt und Natur tatsächlich noch im Vordergrund stehen.
Der Kärntner Landesjägermeister DI Dr. Ferdinand Gorton stellt in zwei Sätzen fest, Zitat: „Die Zeiten, in denen sich die heimische Tierwelt ihre eigenen Kontrollorgane (Wolf, Bär und Luchs) stellte, gehören der Vergangenheit an. Heute muss der Mensch die einstigen Aufgaben des Großraubwildes übernehmen.“
Der ehrenwerte Herr Landesjägermeister vergisst informierend dazu zu sagen, dass es niemand anderer war als die Jäger, welche dem “Großraubwild“ aus Konkurrenzneid oder Trophäengier mit Fallen, Gift, Schlingen und schließlich mit Präzisionswaffen bis zur Ausrottung nachstellten und das heute noch tun.

Was empfindet der Jäger bei seinem Tun?

Kläglich versagte der Autor beim Versuch, dem Nichtjäger oder Jagdgegner klar zu machen was ein Jäger bei seinem Tun empfindet. Der leider nicht bekannte Verfasser dieser Anzeige schreibt. Zitat: „Die Motive eines Jagdgegners mögen auch durchwegs achtenswerter Natur sein – doch oft lässt sich seine Einstellung auf einen Informationsmangel zurückführen. Das Bild der Jäger, die Wildtiere aus Lust am Töten schießen, ist leider genauso weit verbreitet wie unsinnig. Die rund 12 000 Jägerinnen und Jäger in unserem Land übernehmen sachkundig wichtige Aufgaben zu Erhaltung unserer Naturjuwelen.“
Demgegenüber steht der Abschuss von Auerhahn, Waldschnepfe, Haselhahn und Dohlen – nur um einige unserer „Naturjuwelen“ zu nennen - sowie die Vielzahl totgeschossener aus Käfigen freigelassener Fasane. Was bitte, hat das mit Weidwerk zu tun? Welche Schäden richten diese Tiere an, dass der Jäger als Kontrollorgan eingreifen muss? Womit lässt sich dieses Tun, außer mit Lust am Töten noch erklären?

Fasanenjagd
Ein extra zum Erschießen aus Asien importierter Vogel!
Foto: Initiative zur Abschaffung der Jagd

Auf die unzähligen erschossenen Hasen, verletzten und getöteten Haus- und Nutztiere und den als „Jagdunfälle“ deklarierten verletzten und toten Personen allein im vergangenen Jahr soll gar nicht näher eingegangen werden.
„Ohne unsere Jägerinnen und Jäger“, fährt der Verfasser fort, „hätte Kärnten längst nicht mehr einen derart fantastischen Wildreichtum.“
Dem ist nichts entgegenzusetzen, denn Vielerorts wird dieses Wild zu seinem „Wohle“ mit Heu, Kraftfutter und verbotener Weise tausenden Tonnen ausgebrachter Äpfel, Kastanien und mitunter, wohlweislich gut versteckt, mit Trester gefüttert. Nur deshalb ist der Wildbestand, sprich halb domestiziertem Rot- und Rehwild so „fantastisch“!

Was aber wird für die Artenvielfalt von jagdlicher Seite wirklich getan?

Bezeugte Aussagen, getätigt von Jagdausübenden über den Luchs: „Wenn i an vur’n Lauf kriag is a hin!“ (Wenn ich einen vor den Lauf bekomme ist er tot). Der so selten gewordene Baummarder, das Mauswiesel, Hermelin und sogar der als bedroht eingestufte Iltis werden erbarmungslos von „ausgebildeten Fallenstellern“ gefangen und erschlagen oder von Weidmännern erschossen. Auch dem Fischotter hat man beinahe den Garaus gemacht. Einem ausgewilderten, mit einem Sender bestückten Otter brannte man ein Loch ins Fell, deponierte den Kadaver klugerweise mitsamt der Funkanlage im Kühlschrank einer Jagdhütte und deckte damit den Frevel eigenhändig auf. Neben einem unserer Mitarbeiter wurde trotz dessen heftigem Protest aus dem Küchenfenster einer Alm ein Sperber, völlig sinnlos, vom Zaun geballert! Nur 1% durch Umfragen eruierte Jägerinnen und Jäger können den Adlerbussard vom Mäusebussard unterscheiden (wo bleibt die Sachkundigkeit?) und dennoch versuchte die Kärntner Jägerschaft eine Abschuss-Genehmigung für Letztgenannten durchzusetzen. Seeadler werden vergiftet und „erlegt“. Noch immer wird die Waldschnepfe bejagt, obwohl sich deren Bestände im roten Zahlenbereich bewegen. (Wo sind bei Jägerinnen und Jäger die wichtigen Aufgaben zur Erhaltung unserer „Naturjuwelen“ zu erkennen?)
Tausende solche und ähnliche Beispiele sind bewiesen und sprechen gegen Sachkundigkeit und verantwortungsvollem Erhalten von allen freilebenden Tieren.

Von Demut erfüllt

Landesrat Dr. Josef Martinz schließt mit einem klugen Kommentar, Zitat: „Lebte der Mensch einst von der Jagd, so muss er heute für sie und mit ihr leben.“ Wie recht er hat – damit müssen wir leider leben!
Der Autor beendet seinen Jagdimage pflegenden Artikel mit dem heuchlerischen Satz, Zitat: „Und jedem guten Jäger schlägt das Herz, wenn er die Hand an den Abzug legt und er ist angesichts des Todes eines Wildtieres von Demut erfüllt.“
Jeder von uns kennt die Fotos von sogenannten Weidmännern, welche mit dem Fuß auf ihrer Beute, dem Gewehr in der Hand „demutsvoll“ in die Kamera grinsen. Davon gibt es in ähnlicher Anschaulichkeit 100tausende allein in unserem Land.

Herr Dr. Christian Nittmann vom Verein „Initiative zur Abschaffung der Jagd“ schrieb an die Regionalmedien folgenden Leserbrief, welcher leider nicht veröffentlicht wurde:

Es zeigt sich zum wiederholten Male, dass Erkenntnisse aus der Wissenschaft bei Jägern keinerlei Gehör finden. Stattdessen wird weiterhin auf veraltete Thesen und Jägerlatein gesetzt, wie sie in diesem Artikel zuhauf vorkommen. So ist längst bekannt, dass der Wildbestand nicht durch Beutegreifer geregelt wird, sondern ganz umgekehrt sich die Zahl der Beutegreifer nach der Population der Wildtiere richtet. Im Endeffekt ist einer der wichtigsten Regulatoren für Wildtierbestände die zur Verfügung stehenden Ressourcen - und nicht die Zahl der Beutegreifer.
Dass der Jäger sich gerne als Ersatz für sogenannte "Raubtiere" darstellt, soll lediglich deren unangebrachtes totbringende Treiben rechtfertigen, die die Natur schädigt, die uns allen gehört.
Paul Parin, Ehrendoktor der Universität Klagenfurt und selbst Jäger schreibt: "Jagd eröffnet einen Freiraum für Verbrechen bis zum Mord und für sexuelle Lust, wann und wo immer gejagt wird. [...]". Auch die von Jägern gern bemühten Seuchen und Krankheiten sind keineswegs durch die erwähnte Überpopulationen sondern auf intensive Viehzucht zurückzuführen, wie es z.B. bei der Schweinepest nachgewiesen wurde.
Die sogenannten Wildschäden sind von Jägern hausgemacht, verursacht durch Jagddruck und künstlich durch Hege hochgezüchteten Wildbestand. Der zitierte "fantastische Wildreichtum" würde ohne Jäger viel fantastischer sein, wenn der Jäger nicht laufend in den sich selbst regulierenden Naturkreislauf eingreifen würde.

Es dreht sich einem angesichts der von Jägern dargestellten Unwahrheiten, die von der Wissenschaft längst als solche belegt sind, der Magen um, wenn man weiß, dass hiermit der Jägerschaft möglichst lange deren blutige Treiben im tiefen Wald vor der Bevölkerung unentdeckt bleiben sollen. Nicht umsonst versuchen Jäger mit jeglichen Mitteln ihr zurecht beschädigtes Image aufzupolieren. Das wird aber nicht mehr gelingen, da immer mehr Menschen die Jäger und ihre Lügen durchschauen. Das zeigt sich bereits deutlich in der Umfrage des österreichischen Gallup-Institutes vom Dezember 2007, in der 64% der österreichischen Bevölkerung für eine Abschaffung der Hobbyjagd sind. Die Zeit ist reif dafür, denn der Druck, der durch wissenschaftliche Erkenntnisse kommt, die eindeutig gegen die Jagd sprechen, wird immer größer.

Dr. Christian Nittmann
1190 Wien

Ein prägendes Erlebnis

Über viele Generationen wurde in meiner Familie jagdliche Tradition „gepflegt“. Als 13jähriger Junge musste ich als Treiber an solchen Jagden teilnehmen und konnte mit eigenen Augen die Gebarung, die Einstellung und die Tötungslust der Treibjagdteilnehmer miterleben. Einer von ihnen hatte kein „Schussglück“. Als sich nach dem Spektakel die Jagd-Gesellschaft unter einem entblätterten Birnbaum sammelte, schoss er aus 10 Meter Entfernung mit einer Schrotflinte ein verschrecktes Eichhörnchen aus dessen Geäst und ließ sich als hervorragenden Schützen feiern. Ein anderer, der selben Gesellschaft angehörender, durch diesen Vorfall angeregter „Weidmann“ ballerte 20 Sekunden später erfolgreich auf einen vorbeifliegenden Eichelhäher. Er nahm den noch zappelnden Vogel vom Boden auf und warf ihn, nach Bejubelung der Anwesenden, gemeinsam mit dem Eichkätzchen „demutsvoll“ ins Unterholz.
Hans Peter Sorger
Projektleiter bei RtW
Weissensee

Mittelalterliches Gedankengut

In mehr als 14jähriger Tätigkeit bei Respect to Wildlife sprach ich mit einer Unzahl von Jagdausübenden. Der sich immer wiederholende Tenor: „Mäusebussard, Adler und Habicht gehören weg, sie tragen die Schuld am Hasen- und Raufußhuhnschwund!“ „Alles was krumme Krallen und Schnäbel hat gehört erschossen, das Raubzeug dezimiert „unseren“ Wildbestand!“ „Wozu brauchen wir Bär, Luchs, Wolf und Marder? Unsere Väter wussten schon warum sie sie ausrotteten!“ „Touristen und andere Waldbegeher wie Schwammerlklauber haben in unseren Revieren nichts verloren. Wir müssen so viel an Jagdpacht zahlen und wollen dafür auch unsere Ruhe haben!“ Dass wir Freilandforscher von der Mehrzahl der Jagdpächter und Eigenjagdbesitzer als unliebsame Störenfriede betrachtet werden gipfelte darin, dass es vielfach telefonische wie briefliche, polizeilich aktenkundige Morddrohungen gegen unser Team gab.
Mag. Manuela Siller
Projektleiter bei RtW
Weissensee

Arroganz und Ignoranz die ich nie verstehen werde

Als ehemaliger Praktikant bei Respect to Wildlife und heutiger Diplom Biologe erlebte ich in den Gailtaler-Alpen folgendes: Ein namentlich bekannter Jagdpächter verwies mich um 11 Uhr Vormittag, erst massiv beschimpfend, aus seinem Jagdrevier. Als ich ihm meine forschende Tätigkeit zu erklären versuchte, nahm er seine Waffe von der Schulter und hielt sie, zwar mit dem Lauf nach unten in seiner rechten Hand und stand mit den Worten: „Verschwinden Sie! Aber ein bisschen plötzlich!“ bedrohlich vor mir. Ein mir bekannter Luchs-Experte aus Deutschland wurde auf ähnliche Weise gegen 1 Uhr Mittag aus einem, nahe des Weissensees gelegenem Revier von dessen Pächter verjagt. Jener fand am Nachhauseweg einen Schlüsselbund und gab diesen im nächstgelegenen Almwirtshaus ab. Peinlicherweise gehörten die bereits verzweifelt gesuchten Auto-, Tür- und Tresoröffner dem so hochmütig agierenden Grünrock. Der wiederum fand weder Worte des Dankes noch einer Entschuldigung. Der im angrenzenden Revier jagdausübende Pächter verkündete vor mehreren Zeugen auf einer Alm: „Eines sag ich euch! Wenn ich auch nur einen von euch“, damit waren Teammitglieder von Respect to Wildlife gemeint, „während der Brunft in meinem Revier sehe, dann kracht es!“ Ein Revierinhaber aus dem Gailtal ließ RtW über seinen Anwalt mitteilen, dass der Wald ausschließlich für Erholungszwecke da sei aber nicht für Forscher, welche in ihm Geld verdienen! Bei Nichtbezahlung der Anwaltskosten (Brief) erfolge sofortige Anzeige.
Axel Binder
Diplom Biologe
München

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Titelfotos:
Mäusebussard - RtW Archiv
Feldhase - Jakob Zmölnig
Fischotter - M. Siller
Luchsjunge - M. Siller

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