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Kaum zu glauben

Mutter Natur stellt uns immer wieder vor unfassbare Rätsel. Die Wissenschaft ist sehr bemüht all diese Wunder zu durchschauen und Gründe für unterschiedliche Verhaltensweisen zu erforschen, um schier Unverständliches verständlich zu erklären. Mitunter gelingt es – so manches aber bleibt für uns im Verborgenen.

Freilebende Kaninchen (Leporidae) in Japan graben nach der Stillzeit ihre Jungen etwa 20 Zentimeter tief in ihrem Erdbau ein. Nach getaner Arbeit treten sie mit ihren Vorderbeinen das Erdreich akribisch fest. Diese Handlung erweckt den Eindruck als würden sie ihren Nachwuchs - durch Begraben bei lebendigem Leibe - ins Jenseits befördern. In Wahrheit dient dieses Verhalten einzig und allein dem Überleben dieser Spezies. Grubenottern stellen vor allem diesem Kleingetier nach, können es aber unter der Erde nicht lokalisieren. Die begrabenen Klein-Nager kämpfen sich allerdings mit hohem Kraftaufwand innerhalb von zwei bis drei Tagen an die Oberfläche. Diese Tätigkeit stärkt ihre Muskulatur, trainiert die Motorik und gibt den Jungkaninchen bei Entdeckung durch einen Fressfeind die Möglichkeit zur erfolgreichen Flucht.

Fressen, schlafen und lieben im Flug

Den Mauersegler (Apus apus) zählt der Laie zu den Schwalben, dabei ist er nicht einmal entfernt mit ihnen verwandt. Als Langstreckenzieher sammeln sich diese Vögel bereits Ende August/Anfang September, um ihre Reise bis südlich des Äquators anzutreten. Diese Segler sind nicht nur flugakrobatisch eine Ausnahme - sie erreichen eine Fluggeschwindigkeit von bis zu 200 Kilometer in der Stunde – sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes extrem an ein Leben in der Luft angepasst. Ihr erstes Ausfliegen hält sie bis zu ihrer Geschlechtsreife, welches am Ende ihres 2. Lebensjahres beginnen kann, in steter Flug- Bewegung. Sie fressen beinahe drei Jahre im Flug, schlafen im Flug (beide Gehirnhälften, wie bei Meeressäugern, wechseln sich ab) und sie paaren sich im Flug. Frühestens beim ersten Nestbau nehmen ihre Beinchen Kontakt mit festem Untergrund auf. Über den Sinn haben sich schon viele den Kopf zerbrochen – bislang blieb er leider unerforscht.

Mauersegler
Sie sind fast drei Jahre lang nur in der Luft - Foto Jakob Zmölnig

Es schläft nur eine Gehirnhälfte

Und weil ich gerade Meeressäuger erwähnte, so hat der russische Forscher Mukhametov mit seiner Arbeitsgruppe in den 70er Jahren folgendes festgestellt: Auch diese Spezies braucht Schlaf, da sie aber aktiv atmen, nicht wie wir Menschen unbewusst, schläft eben eine Gehirnhälfte und löst sich nach etwa zwei Stunden mit der anderen ab. Das jeweils gegenüberliegende Auge ist dabei geschlossen und stets den anderen Mitgliedern der Gruppe zugewandt. Die aktive Hirnhälfte mit gegenüberliegendem offenem Auge achtet auf Feinde, Hindernisse und das rechtzeitige Atmen. Delphine schlafen keineswegs die Nacht durch, zwischenzeitlich gibt es immer wieder aktive Phasen in der sie zum Nahrungserwerb jagen. Pottwale hingegen schlafen wie wir Menschen, entweder driften sie an der Oberfläche dahin und halten ihre Schnauzen in die Luft, oder sie verbringen ihre Schlafphasen in einer Tiefe von etwa 10 Metern und halten einfach den Atem an. 7% der Gesamttageszeit sind von Nöten und damit ist ihr Schlafbedarf gedeckt.

Pottwal
Sie atmen wie wir Menschen unbewusst - Foto RtW Archiv

Beheizte Augen

Thunfische, Hai-Arten sowie Schwertfische sind in der Lage ihre Körpertemperatur höher als die Umgebungstemperatur zu halten. Ein Energieaufwand der sich lohnt! Höhere Temperaturen in den Muskeln und im Nervensystem lässt Meeresräuber schneller reagieren, ein Vorteil gegenüber ihrer Beute. Erforscht ist dieses Verhalten schon länger, neu aber ist – das hat ein australisches Forscherteam von der University von Queensland nachgewiesen – dass im Besonderen Schwertfische ihre Augen aufheizen. Sie erwärmen das Gewebe mit einem Muskel und können somit ihr Sehorgan bis über 15 Grad der Umgebungstemperatur erhöhen. Dadurch erreicht dieser Fisch in kaltem Wasser eine zwölffach bessere zeitliche Auflösung als mit nicht erwärmten Augen. Ein Vorteil, welcher in Lebensräumen in denen die Temperatur schon kurz unter der Wasseroberfläche stark abfällt zum Tragen kommt. In einer Tiefe von 100 Metern sehen sie noch zwölfmal besser als mit nicht temperierten Augen. In ihrer normalen Aufenthaltstiefe von 300 Meter unter dem Meeresspiegel ist die Sehleistung der Schwertfische immerhin noch um ein siebenfaches höher. Ihr Jagderfolg ist dadurch erheblich effizienter.

Schwertfisch
Der Schwertfisch beheizt seine Augen - Foto RtW Archiv

Schnurrhaare, ein hochempfindliches Instrument

Es sind die Schnurrhaare, welche katzenartigen Beutegreifern wie Löwen, Tiger, Luchsen und so weiter den Tod ihrer Beute signalisieren. Diese Prädatoren ersticken zumeist ihren Fang durch das Abschnüren der Luftröhre mittels eines Bisses in den Hals. In solchen Fällen tritt der Tod nicht augenblicklich ein sondern dauert eine Weile. Die Information über den Tod des Opfers erhält die Katze über ihre Schnurrhaare. Der Biss in die Kehle verursacht keine lebensbedrohenden Verletzungen – würde also der Jäger seine Beute zu früh loslassen, könnte sie durch Flucht entkommen. Unerfahrenen Jungprädatoren unterlaufen solche Fehler häufig, da sie ihre Schnurrhaarinfos noch nicht zu deuten wissen.

Luchs
Barthaare als Todesmelder - Foto Manuela Siller

Die Barthaare der Seehunde sind derart empfindliche Sensoren (Messfühler), dass sie im trüben Wasser Beute wie Fische „todsicher“ aufspüren. Die Turbulenzen welche letztere hinterlassen informieren den Jäger mittels Barthaare über einen möglichen Fang. Die Zuverlässigkeit dieses Instrumentes sichert das Überleben der Seehunde.

Seehund
Barthaare signalisieren ihm die Beute - Foto RtW Archiv

Infraschall

Ein Schall, welcher unterhalb einer Frequenz von 16 Hz liegt und der vom menschlichen Ohr nicht gehört werden kann. Blauwale, Elefanten, aber auch Giraffen können Töne die unter dieser Frequenz liegen wahrnehmen. Bislang wusste man beispielsweise, dass Elefanten für uns Menschen unhörbar über große Distanzen miteinander kommunizieren können. Man weiß auch, dass Elefantenbullen außerhalb der Paarungszeit Einzelgänger sind. Jüngere Forschungen brachten zutage, dass diese Bullen mit anderen, vor allem mit Jungbullen stets durch Infraschallwellen, welche sich im Boden ausbreiten, kommunizieren. Sie informieren „Halbstarke“ durch Aufstampfen auf den Untergrund, wo sie ausreichend Wasser und Nahrung finden. Hochempfindliche Sensoren, welche in den Füßen angelegt sind, übermitteln ihnen diese Nachrichten, ähnlich wie die für uns hörbare Buschtrommel.

Elefantenbulle
Er rührt die unhörbare Buschtrommel - Foto RtW Archiv

Ihr Hans Peter Sorger

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Titelfoto Manuela Siller

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