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Der Kormoran

Phalacrocorax carbo

Im Konfliktfeld von Ökonomie und Ökologie

Der biologisch - ökologische Betrachter sieht den Vogel kurz umrissen so:
Schwarzer Tauchvogel mit kräftigem Hakenschnabel, weit im hinteren Bereich angesetzte, Schwimmhaut-bewährte Ruderfüße; schlanke kräftige Gestalt. Augen grün, welche mit einer Nickhaut versehen sind und die ihm unter Wasser wie eine Taucherbrille dient. Da ihm die Bürzeldrüse fehlt, kann er sein Gefieder nicht wasserabstoßend einfetten und sitzt deshalb nach Tauchgängen mit ausgebreiteten Flügeln auf Baumstämmen, Ästen und Felsen, um seine Federn zu trocknen. Beheimatet an Meeresküsten, Seen und Flüssen.

Die Berufsfischer und Hobbyangler intonieren:
Der gänsegroße, zuvor nie in Österreich beheimatete Vogel braucht viel Nahrung. Ernährt sich ausschließlich von Fischen - einen halben Kilogramm pro Tag. Raubt in großen Gruppen von 20 bis zu 250 Tieren Flüsse, Teiche, Seen und Fischzuchtanlagen aus. Mit seinem Kot verätzt er an Brut- und Schlafplätzen Bäume, die dann absterben. Vermehrt sich rasant, und es ist ihm nur durch Abschießen beizukommen.

Wanderer und Naturliebhaber beschreiben ihn:
Der Kormoran ist ein schöner heimischer Vogel. Er hat, wie alle Lebewesen, ein Lebensrecht. Schäden richtet er nur dort an, wo ohne Rücksicht auf das natürliche Gleichgewicht gewirtschaftet wurde und wird.

Kormoran
Da keine Bürzeldrüse... - Foto J. Zmölnig

Versuch einer sachlichen Darstellung

Die gängige Lehrmeinung in der Ökologie spricht von einer Regulation von unten nach oben. Das heißt: Die Beute (Nahrungsangebot) reguliert den Beutegreifer.
Die Nahrung des Kormorans wird stets künstlich durch Besatzmaßnahmen verfügbar gemacht. Dieses Beutevorkommen sorgt für den Anstieg der Kormoranpopulation. Dafür kann der Vogel nichts, er reagiert auf die natürlichste Weise mit Zuwachs. An der Klimaveränderung (milde Winter, Seen frieren nicht mehr zu, der Vogel kann bleiben) tragen auch wir Menschen die Verantwortung! Vor 150 Jahren – und es steht außer Zweifel, der Kormoran ist schon seit Jahrtausenden im gesamten Europa beheimatet - sahen unsere Flüsse noch anders aus. Sie vereinnahmten ein ganzes Tal und für jeden Nutzer war genügend vorhanden. Durch Begradigungen, Wehren, Kraftwerksbauten, Verschmutzungen durch Landwirtschaft, Industrie und Haushalte haben wir Menschen nicht gerade im Sinne der Ökologie unsere Gewässer beeinflusst; sie sind dadurch tatsächlich fischärmer geworden.

Kormoran
...werden die Flügel luftgetrocknet - Foto J. Zmölnig

Negative Einwirkungen

Aus wirtschaftlichen Gründen hat man der autochthonen Bachforelle den amerikanischen Import, die Regenbogenforelle (schnellwüchsiger, anspruchsloser im Habitat und was die Wasserqualität betrifft), vorgesetzt. Der Laich-, Brut- und Kleinfischräuber verdrängt dadurch mehrheitlich die heimische Forelle. Auf seinem Speiseplan stehen alle Fischarten unserer Gewässer. Bedenken wir auch den Umstand, dass vor 20 Jahren in den selben Gewässerabschnitten 3 Angelkarten ausgegeben wurden, in denen heute 20 Angler ihrem Hobby nachgehen. Erwähnenswert ist auch der Einfluss der elektrischen Befischung! Nur einige von vielen erheblichen Negativ - Einwirkungen, die an den Fischbeständen provoziert wurden.
Insgesamt haben wir in Kärnten – dem seenreichsten Land Österreichs – etwa 300 Kormorane (aufgrund der hohen Mobilität dieser Vögel ist eine exakte Bestandszählung sehr schwierig). Fischer liefern sich mit Natur- und Artenschützern sowie Ornithologen seit Jahren wegen Graureiher, Haubentaucher, Gänsesäger und Kormoran heftige Auseinandersetzungen.
Ein Fischwasserbesitzer kann sich nicht freuen, wenn ein Schwarm Kormorane in sein Gewässer einfällt und den Äschen – Bestand dezimiert! Berufsfischer sehen ihre Existenz bedroht, die Hobbyangler ihren Freizeitspaß und fordern deshalb Abschüsse und Vertreibungsmaßnahmen.
Verwirrend ist die Aussage vieler Freizeitfischer - es ginge ihnen nicht um den Fang sondern um das Naturerlebnis - denn schon das Ansichtigwerden eines einzigen Kormorans löst bei ihnen mehrheitlich Wut aus. Die Fähigkeit, Toleranz zu üben und den Kormoran als Bereicherung und natürlichen Bestandteil der heimischen Natur zu betrachten, sinkt auf Null.

Kormoran
Abtauchbereit auf der Ansitzwarte - Foto J. Zmölnig

Mit Schutzeinrichtungen helfen

Allerdings, nicht von der Hand zu weisen sind von Tauchvögeln verursachte Schäden in der Teich- und Zuchtwirtschaft (keine Flucht- oder Versteckmöglichkeiten für Fische). Diesen Betreibern sollte man mit Schutzeinrichtungen (aufrollbare Netzabdeckung, Drahtverspannungen usw.) helfend unter die Arme greifen. Auch gibt es in Fließgewässern, punktuell gesehen, einen negativen Eingriff in den Fischbestand durch Kormorane, die von Anglervereinen mit über 80%(?) angegeben werden.
Ein anderes Kapitel ist die Biodiversitätskonvention, der Österreich 1994 (BGBL.NR. 213/1995) beigetreten ist und wir alle – nicht nur Naturschützer - sind verpflichtet, die Artenvielfalt zu erhalten.
Aber - ist der Kormoran heute noch ein seltener, vom Aussterben bedrohter Vogel? Vor 35 Jahren gab es im westlichen Europa 30.000 - von Polen, Dänemark bis Holland - Festlands-Kormorane. Seither ist ihre Zahl auf beinahe eine Million angestiegen. Als Konsens in dieser Diskussion haben Artenschützer und Ornithologen die Anliegen der Berufsfischer und Hobbyangler berücksichtigt. Das hat jedoch dazu geführt, dass in Kärnten – von der obersten Naturschutzinstanz genehmigt - 70 Kormorane sogar an ihren ‚Schlafplätzen’ und in ‚Vogelschutzgebieten’ abgeschossen werden dürfen. Dies kann nicht im Sinne von Vogelkundlern und Artenschutzbeauftragten sein, ist aber auch nicht gerade imagefördernd für die Jägerschaft.

Kormoran
Generell sind sie Koloniebrüter - Foto J. Zmölnig

Ungewollt forciert

Ob Abschüsse, Vertreibungsaktionen mit Knallkörpern, Ton- und Lichtquellen die erforderliche Wirksamkeit haben, ist zu bezweifeln. Die Kormorangruppen werden dadurch versprengt, in Zubringerbäche hineingedrängt und verteilen sich breiträumig. Zuvor gefressene Fische werden, aufgrund von Stress und um besser fliegen zu können, herausgewürgt. Das fordert ihnen mehr Energie ab, die wiederum durch vermehrte Nahrungsaufnahme gedeckt werden muss. Eine Schadensbegrenzung ist daher in Frage gestellt. Allenfalls bringen solche Maßnahmen nur eine regionale, kurzfristige Milderung des Problems. Die definitive Ausrottung dieses Vogels will heute niemand mehr. Es ist nur die stete Zunahme seiner Population, welche die Fischereiwirtschaft negativ beeinflusst, jedoch von ihr - durch Besatzmaßnahmen - ungewollt forciert wird! Langfristig kann nur eine Geburtenkontrolle in den Brutgebieten (in Kärnten brütet bislang kein einziges Kormoranpaar) – die auch vom EU-Parlament gefordert und von den obersten Vogelschutz-Instanzen empfohlen wird – eine Lösung bringen. Um Klarheit und umsetzbare, effiziente Maßnahmen zu schaffen, müssen ehestmöglich Ornithologen, Artenschützer und Verantwortliche wie Betroffene in der Fischereiwirtschaft gemeinsame Studien durchführen. „Kooperation bringt weit mehr als permanente Konfrontation!“

Ihr Hans Peter Sorger

Kormoran
Da keine Bürzeldrüse werden die Flügel luftgetrocknet - Foto J. Zmölnig

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Titelfoto J. Zmölnig

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