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Der Kuckuck, ein Brutschmarotzer und
Vogel des Jahres 2008

Cuculus canorus

Bereits ab Ende März hören wir den Weitstrecken ziehenden Brutschmarotzer, wenn er lautstark seinen Namen ruft und vereinzelt werden wir ihn noch bis in die erste Hälfte des Juli hören. Ein seltsamer aber kein seltener Vogel, weltweit verbreitet, nur große Siedlungsbereiche und Städte meidet er. In allen Sprachen sind durch ihn Sprüche wie: "Hol's der Kuckuck!", "Zum Kuckuck mit ihm!", "Weiß der Kuckuck?" entstanden und lassen sich mit dem Teufel substituieren.

Oberflächlich betrachtet ist es auch ein teuflischer Zug, wenn der turteltaubengroße Vogel sein Ei beispielsweise ins Nest eines Zaunkönigs, unserem kleinsten Singvogel "schmuggelt"! Immerhin überragt der Kuckuck im ausgewachsenen Zustand diesen Kleinsänger an Größe um das Dreieinhalbfache. Nicht nur den Zaunkönig nutzt er "schamlos" aus: Neuntöter, Bachstelzen, Rotschwänze, Grasmücken, Rohrsänger und Braunellen sind bevorzugte Singvogelarten, die er für seinen Nachwuchs bemüht. Keinesfalls ist dieses Verhalten in ein grausames Spiel der Natur einzureihen - es macht nämlich Sinn. Der Kuckuck ernährt sich von Heuschrecken, Käferarten, Libellen und vielen Insektenarten, jedoch in der Hauptsache liebt er behaarte Schmetterlingsraupen. Diese wiederum werden von den Jungvögel-Mägen nicht vertragen. Also wählt er Gasteltern und damit ist sein Weiterbestand gesichert. Wie er es schafft die Färbung des Eis an die jeweilige Nutz-Vogel-Art anzupassen ist noch nicht eindeutig geklärt und dennoch, so manche Wirtsvögel erkennen den Brutparasitismus und geben das Gelege auf! Man könnte annehmen, dass durch dieses parasitäre Verhalten der Bestand der heimisch genutzten Arten gefährdet ist. Dagegen spricht, dass die Hauptbrutzeit dieser Vögel nicht mit der des Kuckucks übereinstimmt, denn dessen Eiablage erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt. Selbst der Teichrohrsänger, dessen Brutgeschäft in die Zeit des Kuckucks haarscharf passt, ist im Bestand bislang nicht negativ beeinträchtigt.


In diesem Fall darf ein Rotkehlchen den Riesen versorgen - Foto J. Zmölnig

Häufiger Partnerwechsel

Das Kuckucksmännchen ziert eine schiefergraue Oberseite, Kinn, Kehle, Halsseiten und Vorderbrust sind einheitlich hellgrau und die Unterseite ist gesperbert. Während das Weibchen sich durch eine meist dunkelbraune Oberseite und mit bereits gesperberter Halsunterseite sowie Vorderbrust vom Männchen unterscheidet. Den zweisilbigen Reviergesang des Männchens kennen wir alle und er erfolgt in unterschiedlicher Tonhöhe. Außerdem kann ein erregtes Männchen sich überschlagend auch dreisilbig "kuckuck..kuck" rufen. Das Weibchen macht sich in der Brutzeit mit einem lauten Trillern oder Kichern bemerkbar. Die Wissenschaft vermutet, dass sich Kuckucke promiskuitiv verhalten, das heißt: den Partner häufig wechseln! Bei genauer Beobachtung lässt sich aber ebenso eine kurzfristige Monogamie vermuten. Mit dem Reviergesang markiert er sein Areal und wirbt. Nähert sich ihm ein Weibchen steigert er seine Rufqualität, nickt vermehrt mit dem Kopf, lässt die Flügel hängen und fächert den Stoß. Bei Annäherung eines Männchens kann es zu territorialen Auseinandersetzungen mit Anfauchen, Flugjagden und Drohungen mit nach vor gestrecktem und geöffnetem Schnabel kommen. Das Weibchen verfolgt er meist stumm jedoch intensiv und ist es kopulationsbereit, fliegt es häufig eine höher gelegene Sitzwarte an auf der sie sich schließlich paaren. Begattungen kann man während der ganzen Legeperiode und zu allen Tageszeiten beobachten. Weibchen sind in dieser Zeit oft mit stundenlangem Ansitzen beschäftigt, um geeignete Nester ausfindig zu machen. Potenzielle Wirtsvögel verraten sich durch häufige Anflüge beim Nestbau und Bodenbrüter entdeckt es durch Aufscheuchen im tiefen Suchflug. Ein geeignetes Nest besucht das Kuckucksweibchen mehrmals und legt im perfekt getimten Augenblick ihr Ei sekundenschnell ab. Dadurch reduziert es eine Störung der zukünftigen Pflegeeltern auf ein Minimum.


Der noch nackte Kuckuck drängt mit äußerster Kraft die Eier des Wirtsvogels aus dem Nest
Foto H.P. Sorger

Mit einem gefinkeltem Trick

Außerdem sind Weibchen auf Wirtsvögel geprägt; sozusagen auf ihre Pflegeeltern - niemals legen sie ein Ei in ein Nest einer anderen Art. Für die Größe des Kuckucks sind die Eier außergewöhnlich klein, jedoch relativ dickschalig. Ein unermüdlicher Kraftakt folgt nach etwa 14 Tagen, unmittelbar nach dem Schlüpfen. Mit dem Rücken und durch hochstemmen der Beine bugsiert der Jung-Kuckuck mit aller gebotenen, mitunter Tage dauernder Anstrengung die noch vorhandenen Eier oder die bereits geschlüpften, für ihn fremden Jungvögel aus dem Nest. Hockt das Küken dann allein in der Brutstätte beginnt für ihn das nächste Problem. Der Fleiß im Heranschaffen von Nahrung wird bei den meisten Zieheltern durch die Anzahl der aufgesperrten Schnäbel angeregt. Mit einem gefinkeltem Trick ertönen, um die Nahrungsheranschaffung zu forcieren, aus dem einzigen Schnabel die Bettellaute einer ganzen Wirtsart-Brut. Das zeigt Wirkung und treibt die Pflegeeltern zu Höchstleistungen an. Bis über 20 Eier kann ein Kuckucksweibchen - bei großem Wirtsnestangebot versteht sich - in einer Saison legen, im Mittel verteilt es 8 bis 11 Eier aus denen wiederum nur 2 bis 3 des Nachwuchses aufkommen. Kuckucke sind enorm anpassungsfähig! In Europa findet man sie im Flachland ebenso wie in Höhen von über 2000 Meter. Voraussetzung für sie ist, dass sie die entsprechenden Wirtsvögel vorfinden. Im Flugverhalten sieht der Kuckuck einem Sperber täuschend ähnlich. Gleitend wie dieser lässt er sich von erhöhten Sitzwarten zu Boden fallen und gewinnt in Kreisflügen an Höhe. Als Weitstreckenzieher überwintert er ausschließlich in Afrika, zumeist südlich des Äquators in Feuchtsavannen des tropischen Tieflandes, aber ebenso in den Hochwäldern Westafrikas. Sehr früh zieht es ihn wieder nach Norden und bereits Mitte März erreicht er den Süden Europas. Mitte August beginnt für die Altvögel der Rückflug hin zum "Schwarzen Kontinent" während die Jungvögel erst drei Wochen später folgen. Für mich ist der Kuckuck der Frühlingsbote schlechthin und ich tendiere seit meiner Gymnasialzeit dazu, beim allerersten Ruf den ich höre, an meine Gesäßtasche zu greifen in der sich für gewöhnlich meine Geldbörse befindet!

Ihr Hans Peter Sorger


Im Flug wird er häufig mit einem Sperber oder Falken verwechselt - Foto J. Zmölnig

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Titelfoto J. Zmölnig:
Das vier Mal kleinere Hausrotschwänzchen bei der Fütterung des Kuckucks.

In der Rubrik "Der Wert der Vielfalt" stellt H.P. Sorger unter Mitarbeit der Zoologin Mag. Manuela Siller monatlich neu Erkenntnisse aus der Feldforschung vor.

 


 

 
Fotos J. Zmölnig

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