A | A | A   Schriftgrösse

Eine sensationelle Entdeckung

Loberia pulmonaria

Am 4. November des Jahres hatten wir, Respect to Wildlife, bei saumäßigem Wetter eine Tages-Exkursion mit Ornithologen von Bird Life Kärnten, einigen Naturinteressierten sowie einer Wissenschaftlerin, welche sich den Flechten verschrieben hat. Wegen des Nebels und des Regens konnten wir in höher gelegene Regionen nicht aufsteigen, also erkundeten wir das „Rund um den See“. Selbst bei schlechter Sicht, Nässe und niederen Temperaturen gibt es Neuentdeckungen. Diesmal aber schlugen die Forscherherzen beträchtlich höher, denn da gab es eine hoch interessante Beobachtung worüber wir berichten möchten.

Für den durchschnittlichen Konsumenten der uns umgebenden Natur mag es unwesentlich erscheinen, jedoch für Insider, Biologen und jenen denen das Prädikat Naturpark wichtig ist, ist es schlechthin DIE Sensation. Schon allein der wissenschaftliche Name Loberia pulmonaria ist eine „Ohrenweide“. Dabei handelt es sich um die Echte Lungenflechte. Eine stark gefährdete Blattflechte, welche zu einem der wichtigsten Indikatoren für ein intaktes Ökosystem zählt.

Lungenflechte
Die Farbe kann von erbsengrün... - Foto H.P. Sorger

Schon vor einigen Jahren konnte sie Manuela Siller bei ihren Streifzügen als äußerst geringes, ja beinahe verkümmertes Vorkommen im Mittagsgraben ausmachen. Diesmal aber haben wir diese Flechte, im Beisein der Flechtenexpertin Mag. Claudia Taurer-Zeiner, wesentlich großflächiger angesiedelt vorgefunden. Frau Taurer-Zeiner meinte, ein derart starkes Vorkommen konnte sie im Kärntner Land noch nirgendwo feststellen. Diese hochsensible Flechte erhöht den Wert des Naturparkes erheblich, denn sie bestätigt sehr gute Luftqualität.

Lungenflechte
...bis dunkelbraun variieren - Foto H.P. Sorger

Vor über 100 Jahren gab es noch im europäischen Tiefland reichliche Vorkommen. Heute findet man diese Algen und Pilzsymbiose fast ausschließlich am Alpennordrand in Höhen über 900 Meter, nur noch in Rheinland Pfalz sind lediglich zwei Standorte dieser Flechte bekannt. Die filzig-zart-behaarte Unterseite ist meist braun bis schwarz, während die Oberfläche der 1-4 cm breiten Lappen vom erbsengrün bis dunkelbraun gefärbt sein kann und dessen Struktur wie ein Netz von Adern erscheint. Sie wächst hauptsächlich auf Bergahorn, Eichen, alten Buchen und Totbäumen dieser Arten, auf Nadelbäumen sieht man sie kaum. Im Naturpark Weissensee gibt es nur zwei, eher klein angesiedelte Bereiche, in denen sie hervorragend gedeiht.

Lungenflechte
Lungenflechte - Ober- und Unteseite - Foto H.P. Sorger

Die Lungenflechte ist hochsensibel und reagiert bereits auf geringfügige Luftverschmutzungen sehr empfindlich. Diese Art ist in vielen europäischen Ländern bereits ausgestorben, Restvorkommen sind stark gefährdet und verdienen besonderen Schutz.

Ihr Hans Peter Sorger

Gönnen Sie sich ein besonderes Naturerlebnis!

Exkursionen in die Welt der außergewöhnlichen Artenvielfalt im Naturpark Weissensee
Informationen + Anmeldung

Titelfoto H.P. Sorger

© Respect to Wildlife 2017