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Mimikry

Mehr scheinen als sein!

Warnen, Tarnen, Täuschen! Motive, welcher sich die Natur befleißigt, um unterschiedlichen Arten das Überleben zu sichern. Harmlose Reptilien, Amphibien, Fische, Schmetterlinge und Fliegen signalisieren durch Nachahmung potenzielle Gefahr ihren Fressfeinden gegenüber. Pflanzen versuchen durch Täuschung Insekten wie Bienen, Wespen, Hummeln, Schmetterlinge und auf Nektar spezialisierte Vögel zu Blütenbesuchen zu animieren, um das Aussterben ihrer Art zu verhindern.

Mehrfach können wir in Wald und Flur, auf Feldern, Wiesen und in unseren Gärten Verblüffendes beobachten. Die Schweb-, Steh- oder Schwirrfliege, ein zu den Zweiflüglern gehörendes Insekt - wovon es weltweit mehr als 6000 verschiedene Arten gibt – haben im Laufe der Evolution hornissen-, wespen-, bienen- und hummelähnliche Muster und Gestalten angenommen. Bei raschem Hinsehen sind sie leicht mit diesen stachelbewährten Tieren zu verwechseln. Tatsächlich sind sie harmlos, denn sie verfügen über keine Giftspritze. Ihr Nahrungsaufnahme – Apparat ist wie bei den meisten Fliegen lediglich ein Leckwerkzeug. Diese Täuschung nennt man Mimikry und - sie hält Fressfeinde auf Distanz.

Pollinien bleiben am Liebestollen haften

Die Fliegenragwurz (Ophris insectivera) zählt zu den Insektentäuschblumen und ist auch in unserem Naturpark anzutreffen. Im Besonderen hat sie es auf die Grabwespe abgesehen und bedient sich dabei der Fern- und Nahanlockung. Eine eigens dafür an der Blüte dieser Pflanze konzipierte Lippe, welche das Grabwespenweibchen imitiert, animiert das Grabwespenmännchen zum Anflug. Die Nahanlockung erfolgt durch spezifische Duftstoffe und abgestimmter Berührungsreize. Diese Faktoren veranlassen das Wespenmännchen auf dem Imitat Begattungsbewegungen auszuführen, währenddessen bleiben klebrige Pollinien am Körper des Liebestollen haften. Eine andere Art von Bestäubung, aber sie sichert der Pflanze effizient das Überleben ihrer Art.

Fliegenragwurz
Ein perfekter Täuscher - die Fliegenragwurz - Foto Manuela Siller

Innerhalb von 24 Stunden kann der Tod eintreten

Nach dem Biss einer in den USA und Mexiko vorkommenden Korallenotter (Mycrurus) kann der Tod innerhalb von 24 Stunden eintreten. Zum Glück sind diese Ottern nicht aggressiv und beißen nur dann zu, wenn man sie stark reizt. Etwa 60 verschiedene Arten davon zählen zu den wohl buntesten Schlangen dieser Welt. Die Königsnattern (Lampropeltis), völlig ungiftig, beißgehemmt und wegen ihrer gelb, weiß und schwarz-roten Farbentracht gerne in Terrarien gehalten, schmücken sich mit einem täuschend ähnlichem Kleid ihrer gefährlichen Verwandtschaft, nur mit einem kleinen Unterschied in der Farbfolge. Für Insider gilt die Faustregel: „If white follows red, jour’re dead!“ „Folgt weiß auf rot, dann ist’s dein Tod!“ Die imitierenden Schlangen schützen sich auf diese Weise vor potenziellen Feinden. Und noch ein erwähnenswertes Detail – Königsnattern sind gegen die Gifte aller in ihrem Gebiet vorkommenden Giftschlangen immun.

Korallenotter
Korallenottern sind sehr giftig - Foto RtW Archiv

Vier messerscharfe Krallen erfassen die Beute

Eulen (Strigiformes) sind die einzigen lautlos fliegenden Vögel. Schon vor 200 Millionen Jahren begann diese Tarntechnologie das aus ihnen zu machen was sie heute sind, nämlich tausende Male bessere Flieger als die von uns Menschen entwickelten Tarnkappenjäger. Sie starten und landen lautlos, sind vom Radar nicht erfassbar und können in völliger Dunkelheit mit Schallwellen ihr Ziel – die Beute - lokalisieren. An ihnen schaffte die Evolution alles ab, was zu schwer war. Knochen höhlten aus, in mindestens der Hälfte ihrer 7000 Federn wurden Luftkammern eingebaut, ja sogar die Zähne mussten einem wesentlich leichteren, scharfkantigem Schnabel weichen. Ihr binokulares Sehen ist 60 Mal besser als das menschliche Sehvermögen. Ihre Augen sind unbeweglich, dafür aber können sie ihren Kopf bis 270° drehen, was wieder ihr Gesichtsfeld stark erweitert. Die im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht stehende Flügelgröße mindert bereits das Fluggeräusch und die kammartigen Flügelränder verwirbeln die Luft derart, dass gar keine Geräusche mehr entstehen können. Zudem trägt der Oberflächenflaum auf jeder Feder ebenso sein Quäntchen dazu bei. Vier messerscharfe Krallen erfassen mit höchster Präzision die mit den Augen und dem Gehör anvisierte Beute.

Habichtskauz
Er hört seinen eigenen Flügelschlag nicht - Foto J. Zmölnig

Ein gefinkelter Droher

Das Blutströpfchen (Zygaena philipendula) oder auch Sechsfleck-Widderchen genannt – ein zu den Schmetterlingen zählendes Insekt - signalisiert mit ihren auffallend roten Flecken ihren Fressfeinden Ungenießbarkeit. Das Tagpfauenauge (Inachis io) ist diesen Feinden gegenüber ein gefinkelter Droher. Mit zusammengeklappten Flügeln sieht es wie ein Blatt aus, droht Gefahr, tritt ein Bewegungsprogramm in Kraft. Ruckartig klappen ihre Flügel auseinander und es erscheint für einen, sich stets wiederholenden Moment, die Augenzeichnung. Begleitet wird diese Handlung von einem zischendem Geräusch. Mit dieser Abwehrstrategie wird der Bedrohung im Gegenzug die Bedrohung eines großen Tieres vorgegaukelt.

Tagpfauenauge
Augen schrecken Feinde ab - Foto H.P. Sorger

Begründete Abschreckung

Die auffällig gelben oder orangen Flecken auf schwarzem Grund beim Feuersalamander (Salamandra salamandra) dienen diesen Lurchen nicht als Tarnung sondern zur Abschreckung. Nicht grundlos, denn sie besitzen Drüsen welche aus Alkaloiden bestehende Sekrete erzeugen. Ein Hautgift mit dem Namen Samandarin welches auf das zentrale Nervensystem wirkt, Atembeschwerden und starke Krämpfe verursacht. Beim Menschen kann dieses Toxin, wenn überhaupt, Hautrötungen und im Extremfall Übelkeit auslösen. Bei Füchsen, katzenartigen oder anderen tierischen Feinden kann jedoch die Aufnahme einer hoch konzentrierten Dosis dieses Giftes den Tod zur Folge haben.

Feuersalamander
Ich bin ungenießbar signalisiert der Feuersalamander - Foto H.P. Sorger

Ihr Hans Peter Sorger

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