A | A | A   Schriftgrösse

Nerz, Hermelin und Mauswiesel

Mustela lutreola, Mustela erminea, Mustela nivalis

Vermutlich befinden sich mehr Felle von Nerzen in den Kleiderschränken von Gesellschaftsdamen als deren zur Zeit in Freiheit oder Pelzfarmen lebender Träger. Kaiser und Könige, Fürsten und der adelige Rest hatten stets das Vorrecht die wertvolle, schneeweiße Winterkleidung des Hermelins als Mantel zu tragen. Für deren Kinder fertigte man aus Mauswieselpelzen Kappen und Halswärmer, Fäustlinge und Stiefelfutter an. Obwohl alle drei Marderartigen vorrangig Nagetiere, in der Hauptsache Mäuse vertilgen, wurden sie über Jahrtausende mit allen zeitgemäß zur Verfügung stehenden Mitteln bejagt.


Hermelin im winterlichen Outfit - Foto RtW Archiv

Große Tiere größere Beute

Während der Nerz (Mustela lutreola) und das Hermelin (Mustela erminea) kurz vor der Ausrottung standen, konnte man dem Mauswiesel (Mustela nivalis) nicht so recht an den Kragen. Die Natur, mit ihren bis aufs Kleinste ausgetüftelten Mechanismen, sorgt akribisch für deren Überleben. Die Weibchen sind um etliches kleiner als die Männchen und wiegen meist um die Hälfte weniger. Das mag mit der unterschiedlichen Anpassung beider Geschlechter in der Rollenverteilung bei der Fortpflanzung zusammenhängen. Die territorialen Männchen sind bei der Partnerwahl nicht auf ein einziges Weibchen festgelegt, sie kämpfen mit andern Männchen um sie aber ebenso um die besten Territorien. Zumeist ist der Größte auch der von Erfolg gekrönte Sexualpartner und sorgt damit in der Auslese für stets große männliche Nachkommen. Außerdem bekommen große Tiere größere Beute zu fassen, das wiederum vermeidet bei Nahrungsknappheit direkte Konkurrenz. Junge aufziehende Weibchen haben den Vorteil, dass sie in kleinste Nagetierlöcher schlüpfen können und sich dadurch für ihre Feinde (einschließlich dem männlichen Wiesel) unerreichbar machen. Zudem benötigen sie auch weniger Nahrung. Als kleinster, tag -, dämmerungs- und nachtaktiver Beutegreifer unter den Mardertieren, lebt er im gesamten paläarktischen Raum, von Westeuropa bis China und Japan, dem Mittelmeerraum und Nordafrika sowie im fernen Alaska und Kanada. Hüben bezeichnet man ihn als Least Weasel (Kleinstes Wiesel), während er bei uns an 26 cm, plus einem Schwanz von 3 bis 8 cm Länge erreichen kann, reicht es in Übersee gesamtgesehen für höchstens 26 cm.


Hermelin aus dem Landschaftsschutzgebiet Weissensee - Foto M. Siller

Zwei Würfe in einer einzigen Saison

Dichte Vegetation, Holzstöße, Steinhaufen, hohle Baumstämme sowie Mausnester dienen als Deckung und Unterschlupf. Durch ihren Körperbau sind Wiesel für die Jagd unter Tag, in jeder Art von Mäusegängen, bestens angepasst. Nager sind ihre Hauptnahrung. Fehlt diese, steigen sie vorrübergehend auch auf Vogeleier, Eidechsen oder Junghasen um. Maulwürfe scheinen für sie tabu zu sein, möglicherweise weil auch sie Fleischfresser sind. Mauswieselfelle spielten gegenüber Nerz- und Hermelinfellen eine eher untergeordnete Rolle, das ist auch ein Grund für das Überleben dieser Art in Freiheit. Das ganze Jahr über können sich diese Tiere, vorausgesetzt es ist genug Nahrung vorhanden, paaren. Sind die Voraussetzung äußerst günstig, sorgt das Weibchen sogar für zwei Würfe in einer einzigen Saison. Fünf bis zehn Junge kann ein Wurf nach einer Tragzeit von 35 bis 37 Tagen ausmachen. Während Mauswiesel in Gefangenschaft 10 Jahre alt werden können erreichen sie in freier Natur gerade mal fünf Jahre. Die Anzahl ihrer Feinde ist einfach zu groß, selbst das Hermelin zählt zu ihnen. Dieser Kleinmarder ist heute überall, man sieht ihn allerdings nur als sehr geduldiger Beobachter, oder man hört sein zirpendes Gezeter, kommt man zu nahe an seinen Wurf.


Den amerikanischen Nerz; Mink oder auch Vison genannt… - Foto RtW Archiv

Guantanamo für Nerze

Was die Größe betrifft verhält es sich beim Nerz umgekehrt. Der Amerikanische – Mink (Mustela vison) genannt – ist bei eine Körperlänge von 55 cm um 10 bis 12 cm länger als der Europäische. Den Amerikaner züchtet man auch in Europa, und einigen von ihnen gelang es aus den „Guantanamos für Nerze“ zu entkommen, haben diese sich mit dem Rest der hier vorkommenden Art vermischt oder sie verdrängt. Diese Nerze leben am und im Wasser, an welches sie ebenso wie ans Land gebunden sind und verfügen bereits über einen Anflug von Schwimmhäuten an ihren Füßen. Ein Vorteil bei der Unterwasserjagd, aber nicht nur, denn auch ihr schlangenhaft beweglicher, schlanker Körper ist für ihren Nahrungserwerb ein Plus. Jedoch sehen Nerze unter Wasser nicht sehr gut, deshalb peilen sie Fische sehr genau von Land aus an, um danach gezielt nach ihnen zu tauchen. Die einzelgängerischen, sesshaften Fleischfresser haben eine Lebenserwartung von sieben bis zehn Jahren und jagen nach einer umfangreichen Palette von Beutetieren. Sie stellen jedem Nager nach, vergreifen sich an Vögel wie Enten und deren Eier, jagen ausgewachsene Hasen, verzehren Frösche genauso wie Krebse und erbeuten mitunter sogar Rehkitze. Im Winter suchen sie ein Loch im zugefrorenen Gewässer, um nach Beute zu tauchen. Die Reviere unserer heimischen Nerze können 30 Hektar übersteigen. Als dämmerungs- und nachtaktive Jäger ziehen sie sich tagsüber in selbstgegrabene Baue, Baumhöhlen, Felsspalten oder in Schermausgänge zurück. Paarungszeit: Februar oder März. Die Tragzeit beträgt zwischen 35 und 72 Tagen. Die Unterschiedlichkeit der Dauer deutet vermutlich auf eine Einnistungsverzögerung hin. In rund zehn Wochen sind die vier bis sechs geworfenen Jungnerze entwöhnt und schon nach drei Monaten selbstständig. Unser Nerz gehört zu den bedrohtesten Säugetieren Europas. Zum einen wurde er wegen seines Felles verantwortungslos gejagt, zum anderen zerstörte man durch Flussbegradigungen, Kraftwerksbauten, Gewässerverschmutzung und Waldrodungen seinen Lebensraum. Zum Dritten: Der größere, aus der neuen Welt stammende Mink verdrängte wie gesagt als Gefangenschaftsflüchtling vermehrt die heimische Art. 1925 wurde bei unseren deutschen Nachbarn der letzte heimische Nerz gesehen und in den meisten Teilen Europas gilt er als beinahe verschwunden. Kleine Restbestände gibt es nur noch in Russland, Rumänien, Nordspanien und Südwestfrankreich. Schätzungsweise gibt es nur noch einige tausend Exemplare in diesem riesigen Raum.


…gibt es noch, der heimische wurde ausgerottet - Foto RtW Archiv

Noch existieren sie - Kaiser, Könige und das Hermelin

Während das Sommerfell des Hermelins als braune Ober- und weiße Unterseite erscheint ist es im Winter gänzlich weiß. Auch das Mauswiesel bedient sich dieser zeitlich angepassten Tarnfarbe - nur mit einem kleinen Unterschied - im Gegensatz zum Mauswiesel ist die schwarze Schwanzspitze des Hermelins das große Unterscheidungsmerkmal dieser beiden Vettern. Die auf Ratten und Mäuse spezialisierten Hermeline fressen aber auch kleine Vögel, Fische und Insekten. Wie alle Marder finden sie ihre Nahrung hauptsächlich über den hervorragend ausgebildeten Geruch- und Gehörsinn. Ihren tödlichen Biss platzieren sie stets in den Hinterkopf des Opfers. Selten wird die Beute vor Ort verspeist, fast immer schleppt sie der Jäger zum Bau. Interessant ist, dass sich Hermeline im Frühjahr oder Sommer paaren, sich aber die befruchtete Eizelle erst im März des darauffolgenden Jahres in die Gebärmutterschleimhaut einnistet. Schon Ende April oder Anfang Mai, nach einer Tragzeit von nur einem Monat, kommen im Schnitt etwa acht Jungtiere zur Welt. Sie wiegen höchstens zwei bis drei Gramm und sind total hilflos. Innerhalb von sechs Wochen Säugezeit passen sie ihr Aussehen bereits den Alttieren an. Die Winzlinge werden ausschließlich vom Muttertier versorgt, betreut und verbissen verteidigt. Bereits nach zwei bis drei Monaten sind die Weibchen fortpflanzungsfähig während die Männchen ihre Geschlechtsreife erst mit einem Jahr erreichen. Bedauerlicherweise ist ihre Lebenserwartung wegen der vielen Fressfeinde sehr niedrig, denn Füchse und Dachse aber auch Eulen und Taggreifvögel setzen ihnen gehörig zu. Obwohl sie durchaus ein Alter von sieben Jahren erreichen könnten, überleben sie das dritte Lebensjahr nur in Ausnahmefällen. Hinzu kommt ein ganz heimtückischer Feind, nämlich der Fadenwurm (Skrjabingilus nasicola), ein von Spitzmäusen übertragener Parasit. Erst sitzt er einige Zeit im Nasenraum fest, dann dringt er ins Gehirn ein und das führt unweigerlich zum Tod des Wirtes. Stellen wir diesen seltenen, Mäuse- und Rattenvertilgern nicht zusätzlich mutwillig nach.


Nur die Schwanzspitze bleibt schwarz - Foto RtW Archiv

Ihr Hans Peter Sorger

Gönnen Sie sich ein besonderes Naturerlebnis!

Exkursionen in die Welt der außergewöhnlichen Artenvielfalt im Naturpark Weissensee
Informationen + Anmeldung

Titelfoto RtW Archiv

© Respect to Wildlife 2017