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Schwalben – Schwund

Was wäre, wenn wir diese Insekten-Vertilger nicht hätten? Schwärme von Zuckmücken würden uns mancherorts die Sicht nehmen und selbst das geringe Schnaken- oder Gelsen-Vorkommen, hier heroben am See, würde beträchtlich zunehmen und uns enervierend malträtieren. Der Schwund an Schwalben und Seglern in diesem Jahr erregt Besorgnis.

Rauchschwalben
Beim Füttern des Nachwuchses - Foto Jakob Zmölnig

Die Rauchschwalbe (Hirundo rustica), jene mit den langen Schwanzspießen, deren Gesang so typisch schwätzend klingt, ist zahlenmäßig stark zurückgegangen wie die der Mehlschwalbe (Delichon urbica), mit dem kurzen eingeschnittenen Schwanz. Ebenso ist bei der Felsenschwalbe (Ptynoprogne rupestris), dieses kräftig gedrungenen Singvogels, mit nur wenig gegabeltem Schwanz, ein auffälliger Schwund zu beobachten. Aber auch die Segler, die nicht zu den Schwalben gehören, nämlich der Mauersegler (Apus apus) und der Alpensegler (Apus melba) sind von ihren afrikanischen Winterquartieren nur in geringer Anzahl zurückgekehrt. Die Gründe dafür lassen sich durch mehrere Faktoren erklären.

Als ich vor wenigen Jahren auf der italienischen Insel Lampedusa war, eine Insel welche näher am afrikanischen Kontinent als am italienischen Festland liegt, nahm ich ohnmächtig an einem Gemetzel teil, welches ich mein Leben lang nicht vergesse. Lampedusa ist Rastplatz von Millionen an Zugvögeln, die sich zum Teil dort niederlassen ehe sie das Mittelmeer überfliegen. Auf einem eingezäunten Plateau, auf dem man keinen Schritt zu tun vermag ohne auf mehrere Patronenhülsen zu treten, versammeln sich alljährlich um diese Zeit hunderte Pseudojäger mit ihren Schrot-Flinten und ballern auf alles was fliegt. Täglich verlieren tausende Singvögel ihr Leben und landen ausgenommen und gerupft auf Ständen diverser Märkte am Festland. Die Tötungslust äußert sich in Jubelschreien bei jedem getroffenen Vogel der zur Erde fällt. Manchmal hält einer dieser Schusswütigen die Flinte nach unten und erschießt mit großem „Bravissimo-Geschrei“ eine Eidechse. Dagegen trägt jeder unserer heimischen Jäger Engelsflügel. Solche Rastplätze gibt es von Griechenland, über Italien, Frankreich bis Spanien und überall mit nur wenig gesetzlicher Regelung spielt sich das Gleiche ab. Der zweite Faktor sind die „legalen“ Netzjäger in den mediterranen Regionen.

Rauchschwalbe
Rauchschwalbe mit Nistmaterial - feuchte Erde - Foto Jakob Zmölnig

Was aber finden jene die es bis in ihre Brutgebiete geschafft haben in unserem Umfeld vor? Asphalt und nochmals Asphalt, nur noch vereinzelt finden sie Nestbaumaterial, welches aus schlammiger, lehmvermischter Erde besteht vor. Als ich vor einiger Zeit bei heimischen Landwirten anregte, kleine Kinderspiel-Sandkästen, gefüllt mit Erde vermischtem Lehm anzulegen, stieß ich mit den Worten: „Niemals, die Vögel verdrecken mir nur das Haus!“, auf Ablehnung. Wir werden umdenken müssen und für den Erhalt eines einigermaßen gesunden Ökosystems – von dem wir nur profitieren – auch etwas tun.

Alpensegler
Nur beim Brüten setzen sie auf, sonst fliegen sie unentwegt - die Alpensegler - Foto Jakob Zmölnig

In diesem Frühjahr ergaben die verrückten Wetter-Kapriolen ein zusätzliches Verhängnis für alle Arten unserer Singvögel. Viele Bruten gingen aufgrund von Kälte, Schnee und Regen zugrunde. Wenn man dann aber noch massiv beobachten muss, dass Hotel- oder Pensionsbesitzer im „Naturpark Weissensee“, die im Bau befindlichen Schwalbennester mit Stöcken zerstören, dann beginnt man nachzudenken

Rauchschwalbe
Rauchschwalben nisten gerne unter Dachfirsten - Foto Jakob Zmölnig

Bestürzt stellten wir beim Brutvogelmonitoring fest, dass weder auf der Plentelitz noch auf der Hochtraten oder Gatschacher Höhe der Baumpieper (Anthus trivialis) singt, während diese Spezies noch im Vorjahr hervorragend vertreten war.

Felsenschwalben
Felsenschwalben tragen ihren Namen zu recht - Foto Jakob Zmölnig

Aber auch unsere, seit Jahren in der Weißen Wand brütenden Wanderfalken sind betroffen. Nach siebenjährigen erfolgreichen Bruten gibt es heuer keinen Nachwuchs. Die ebenfalls seit Jahren im Arlingausläufer brütenden Baumfalken sind wie vom Erdboden verschluckt.

Ihr Hans Peter Sorger

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Titelfoto Jakob Zmölnig:
Auch Mehlschwalben sind auf feuchte Erde angewiesen.

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