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Der Uhu

Bubo bubo

Der größte Eulenvogel unter den Greifern der Nacht!

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der „König der Nacht“ unbarmherzig verfolgt und fast ausgerottet. Jäger betrachteten ihn als „Feind des Niederwildes“, horsteten Junguhus für die Hüttenjagd aus und mit der Ausbringung von Bioziden legte man letztendlich noch eine Portion Lebensbedrohung dazu. In den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann ein Umdenken und im März 1989 konnte ich am Rande der letzten Siedlungshäuser in Unternaggel am Weissensee den Rufen dieses großen Vogels wieder lauschen. Lebendig und in Freiheit gefällt er mir um vieles besser als ausgestopft und verstaubt in Jagdhütten und -stuben. Ewiggestrige sollten endlich aufhören, die größte Eule der Welt als „Raubzeug“ zu betrachten, denn sie ist eine wunderbare Bereicherung unserer heimischen Fauna!

Von der Iberischen Halbinsel bis Japan

Was seinen Lebensraum betrifft, ist der Uhu nicht wählerisch. Dieser Vogel ist nicht an bestimmte Landschaftsformen oder Klimatypen gebunden. In Tiefebenen, Hochgebirgen, Grassteppen kann er sich ebenso wohlfühlen wie an Meeresküsten oder in Fels- und Sandwüsten. Im dichten Nadel- und Laubwald findet sich der Greifer nicht minder zurecht wie in baumlosen Wüstenstrichen und menschlichen Siedlungen. Ursprünglich war er in weiten Teilen Mitteleuropas beheimatet. Gute Bestände haben sich nur noch auf der Iberischen Halbinsel, in den südlichen Gebieten Frankreichs, dem Apennin, Teilen des Balkans und in den Karpaten gehalten. Auch in der ehemaligen Sowjetunion und in Skandinavien ist er immer noch weitverbreitet. Man findet ihn in Indien, Nordafrika und in begrenztem Maße ebenfalls in Japan.

Uhu
Foto Jakob Zmölnig

Der gellend krächzende Warnruf

Mit seinem Gesang „buho“ oder „uujo“ gab er sich seinen Namen selbst. Meist ertönt seine Stimme aus Baumkronen oder von exponierten Felskanten. Besonders reizvoll klingt es, wenn ein Uhupaar im Duett singt. Das Weibchen ruft in höheren und knautschend klingenden Tönen, während das Männchen kräftig-voll und dennoch weich die erste Silbe erklingen lässt, um in der Zweiten die Tonlage rasch abfallen zu lassen. Umwirbt der Uhumann seine Angebetete, zeigt er ihr das Nest oder übergibt er Beute, dann verschmelzen die Silben „buhju“ und „ujoo“ zu einer musikalischen Einheit. Hört man genau hin, stellt man fest, dass viele verschiedene Lautäußerungen miteinander kombiniert werden. Vom „glugg-glugg“, um die Jungen zur Annahme von Beutestücken zu animieren, über den nasalen Bettellaut „chriä“ des Weibchens bis hin zum gellend krächzenden Warnruf „gräck“ können sich Männchen wie Weibchen zusätzlich variantenreich äußern.

Uhu mit geschlagenem Sperber
Uhu mit geschlagenem Sperber - Foto Jakob Zmölnig

Er tötet mit dem Nackenbiss

Ihre Vielseitigkeit und Anpassung setzt sich im Bezug auf ihre Beutetiere fort. So ziemlich alles packt der mächtige Vogel mit seinen menschenhandbreiten, krallenbewährten Greifern. Käfer, Regenwürmer, Eichhörnchen, Graureiher, Rallen, Enten, Tauben, Rebhühner, Krähen, Mäuse und Spitzmäuse, Fledermäuse, Ratten, Hamster, Feldhasen, Schlangen, Eidechsen und Frösche erbeutet er im raschen Lauf, Igel, Murmeltiere, Falken, Fische, Krebse, Katzen, Füchse, Wiesel, Marder und Eulenvögel. Im Durchschnitt werden Männchen 61 cm und Weibchen 67 cm groß und erreichen ein Gewicht von 2 beziehungsweise 3 kg. Der kräftige Vogel ist imstande, Beutetiere von 3 Kilogramm in seinen Horst zu schleppen. Im gesamten Nahrungsspektrum konnte man dem Uhu mehr als 110 verschiedene Säugetiere und über 150 Vogelarten nachweisen. Zumeist bildet die in den Revieren am häufigsten vorkommende Beuteart den größten Nahrungsanteil. Als Ansitzjäger wird der Eulenvogel kurz nach Sonnenuntergang aktiv. Kein Geräusch und keine Bewegung entgeht ihm. Zielsicher stößt er im beinahe lautlosem Gleitflug auf seine Beute, ergreift sie mit seinen mächtigen Füßen und bringt sie an einen ruhigen Ort. Er tötet meist mit einem Nackenbiss oder walkt das Opfer solange bis es sein Leben aushaucht, um es dann zu verspeisen. Kleingetier wird in einem verschlungen, größere Vögel teilweise gerupft. Unverdauliches wie Knochen, Federn, Igelstachel, Haare, Krallen und Zähne werden als Gewölle- oder Speiballen in Größen von 72 x 34 mm (Mittelwert) hervorgewürgt. Den Ansitz wechselt der größte Eulenvogel nach gezielten Erkundungsflügen mehrmals in einer Nacht.

Uhu - Keine Bewegung entgeht ihm
Keine Bewegung entgeht ihm - Foto Jakob Zmölnig

Bereits im Alter von 14 Wochen begleiten sie ihre Eltern auf die Jagd

Dem meist in Dauerehe lebenden und sehr lange standorttreuem Uhupaar genügen einige km² große Reviere, welche das Uhumännchen gegenüber Rivalen bedingungslos verteidigt. Obwohl die beiden Partner in einem Territorium leben, fristen sie bis auf die Paarungs- (Februar/März) und Aufzuchtszeit ein einzelgängerisches Dasein. Sie jagen getrennt, schlafen getrennt und fressen getrennt. Nur im Frühjahr kündigt das Männchen mit kräftigen „hu-huu“ Rufen, dem ein kehliges Kichern folgt, seiner Partnerin an: „Zeit ist’s, für Nachwuchs zu sorgen!“ In unzugänglichen Höhlen oder Felsnischen wird der Nistplatz angelegt. Aber auch hier zeigt sich ihre Vielseitigkeit. In Waldgebieten nisten sie, ohne überhaupt ein Nest zu bauen oder eine Nistmulde zu scharren am Boden, in hohlen Baumstämmen, zwischen Wurzeln oder an irgend einer Stelle, die sie für tauglich halten. Zwei bis vier gelegte Eier sind die Regel und es hockt ausschließlich das Weibchen fast fünf Wochen, bis die Jungen schlüpfen, auf dem Gelege während das treusorgende Männchen Futter heranschafft. Eifrig trägt es auch während der Nestlings- und Ästlingszeit die Beute ein, welche von der Mutter teils selbst verzehrt aber auch „schnabelgerecht“ zerkleinert und unter den Jungen aufgeteilt wird. Erst eine Woche nachdem sich der Nachwuchs aus der Eischale gezwängt hat, öffnen sich deren Augen und nach drei Wochen sind sie bereits lebhafte „Flaumkugeln“. In der siebten Woche turnen sie zu Fuß durchs Unterholz und nach etwa 70 Tagen sind sie bereits flügge. Nun begleiten sie ihre Eltern auf deren Jagdzügen und im Herbst beherrschen sie bereits alles, was sie zum Überleben brauchen. Die Trennung von Jung und Alt erfolgt problemlos. Abwanderungsentfernungen betragen in etwa 50 bis 80 Kilometer und in Ausnahmefällen sogar bis über 150 Kilometer. Nach drei Jahren sind die Junguhus imstande, sich in Freiheit erfolgreich fortzupflanzen. Durch Beringung nachgewiesen, können Uhus ein Alter von 27 Jahren in Freiheit und in Volieren gehaltene Tiere zwischen 55 und 68 Jahren erreichen.

Uhu - Im Fels fühlt er sich ebenso wohl ...
Im Fels fühlt er sich ebenso wohl ... - Foto Jakob Zmölnig

Eulenvögel fliegen beinahe lautlos

Es ist die Größe seines massigen Körpers mit dem dicken, halslos scheinend aufgesetzten Kopf, den auffälligen Federohren (Schmuckfedern, keine richtigen Ohren) und den großen, orangegelben Augen, welche den Uhu mit anderen Greifvögeln unverwechselbar machen. Das rostbraune Gefieder mit dunkler Fleckung und Bänderung oberseits verändert sich nach unten hin heller mit feiner dunkler Querzeichnung. Um bei Nacht effizient Beute zu schlagen, verfügt der Uhu über hochspezialisierte Sinnesorgane. Zwar ist das Auge im Eulenschädel fest verankert und lässt daher keine Beweglichkeit zu, dafür aber ist der Vogel durch die Drehbarkeit seiner Halswirbel in der Lage, sich selbst über den Rücken zu schauen – das entspricht einer Wendung von 270°! Seine Pupille kann sich bei Dunkelheit über die gesamte Augenöffnung ausweiten und lässt im Vergleich zu uns Menschen 2,7mal mehr an Licht einfallen. Da nur eine kleine Fläche des Augenhintergrundes die lichtempfindliche Netzhaut bedeckt, wird das schwache Nachtlicht nicht weiter gestreut und dadurch erheblich verstärkt. Eulenvögel sehen in völliger Dunkelheit ebenso wie wir Menschen nichts. Dafür haben sie ein überdurchschnittliches Gehör, welches asymmetrisch knapp unter dem äußeren Augenrand liegt und die Fähigkeit, die Strukturen in ihrem Lebensraum auswendig zu lernen. Mit Horchpeilung machen sie ihre Beute aus und fliegen sie, um selbst zu hören aber nicht gehört zu werden, schallgedämpft an. Die flaumig-aufgerauhte Oberfläche der Federfahnen und die feinen Ästchen an deren Außenrand sowie an ein oder zwei Federn der Handschwingen, die borstig geformte „Sägekante“, erlauben den Eulen einen beinahe lautlosen Flug.

Uhu - ... wie auf Bäumen
... wie auf Bäumen - Foto Jakob Zmölnig

Bei beißender Kälte

Vom 26. auf den 27. Februar 2003 saß - bei beißender Kälte, eingehüllt in einen Modulschlafsack – an einem Felsen der Weißen Wand am Weissensee gelehnt, unsere Diplom-Zoologin Manuela Siller. Mit einem Richtmikrophon und einem MD Aufnahmegerät bewaffnet bezog sie in den Abendstunden ihren Posten, um die Ranzlaute eines vor Ort herumflanierenden Marderhundes auf den Tonträger zu bannen. Viele Stunden tat sich nichts – das ist eben das Los der Feldforscher – jedoch um 1 Uhr hatte sich das geduldige Ausharren gelohnt. Ein Uhupaar begann, sich mit ihren so vielfältigen Lautäußerungen zu unterhalten. Für unsere Datensammlung eine unwiderlegbare Bestätigung. Das selbe Spiel ein Jahr später Ende März, nach Sonnenuntergang im Gailtal, in einem Wald zwischen Jochalm und dem Fuße des Reißkofels.
Um den König der Nacht in freier Wildbahn zu fotografieren, gehört viel Erfahrung und eine riesige Portion Glück. Wenn man sich aber, wie der Spittaler Bundesbahnbedienstete i.R. Jakob Zmölnig - in Vogelkundlerkreisen weit über unsere Landesgrenzen hinaus bekannt - ein Leben lang unseren gefiederten Freunden widmet, über zigtausend Fotos von deren Aussehen und Verhalten schoss, dann findet sich auch so manche Rarität darunter. Für die Weitergabe seines ornithologischen Wissens, seiner Erfahrung und seiner fotografischen Werke gebührt ihm an dieser Stelle mein besonderes Dankeschön!
Der beinahe vor der Ausrottung gestandene Uhubestand hat sich durch Schutz- und nicht durch Wiederbesiedelungsmaßnahmen erholt. Schützen wir diese selten gewordene Vogelart weiterhin, dann machen wir es möglich, dass sich die Uhupopulation aus eigener Kraft erhalten kann.

Ihr Hans Peter Sorger

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Titelfoto Jakob Zmölnig

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