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Der Wanderfalke

Falco peregrinus

Obwohl diese Greifvogelart, außer in der Antarktis, weltweit die verbreitetste ist, stand sie knapp vor der Ausrottung. 430 Brutpaare horsteten noch 1950 in Mitteleuropa jedoch 10 bis 15 Jahre später kam es wegen zu hoher Pestizidbelastung, Fang, Eierdiebstahl, Horstzerstörung sowie Aushorstung für die Falknerei und illegalen Abschüssen, auch von Taubenzüchtern, allerorts zu beängstigenden Populationseinbrüchen. Als größter einheimischer Falke steht er immer noch als „stark gefährdet“ in den „Roten Listen gefährdeter Tiere Kärntens“ (1999)!

Da sich der Wanderfalke großteils von drossel- bis taubengroßen Vögeln – je nach örtlichem Angebot - mittels Flugjagd ernährt, zählt er zu den schnellsten gefiederten Jägern der Welt. 380 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit ergaben jüngste Radarmessungen! Meist sitzt er erhöht auf einem Baum oder Felsen mit gutem Überblick und stößt gegebenenfalls augenblicklich zu. Ebenso erbeutet er Vögel aus dem Kreisflug heraus. Nach kurzem Anvisieren stürzt er sich mit rasender Geschwindigkeit auf seine Beute.
In der Regel kollidiert er, mit den zur Faust geballten, nach vor gestreckten Zehen mit seinem Opfer, welches dabei zumeist das Bewusstsein verliert. Im zweiten Anlauf packt er die zu Boden fallende Beute noch in der Luft, um sie dann mit einem Nackenbiss zu töten. Bei tieffliegender Jagd kann es durchaus vorkommen, dass die auf diese Art attackierte Beute am Boden aufschlägt und dann dort vom Falken aufgelesen wird. Vor dem Verzehr rupft er sehr sorgfältig seine Beute. Erfahrene Beutevögel weichen oft kurz vor dem Zugriff des Falken aus, dieser ist aufgrund der hohen Geschwindigkeit nicht mehr in der Lage seine Flugbahn zu korrigieren, sodass beinahe 40% seiner Attacken fehlschlagen. Zumeist jagt der Wanderfalke im freien Luftraum, deshalb kann man ihn in fast allen Landschaftsformen beobachten. Vorwiegend allerdings in offenem Gelände, nahe an Gewässern mit großem Vogelvorkommen. Durchaus kann man den prächtigen Greif auch als Kulturfolger bezeichnen, denn er jagt auch in Dörfern und Städten. Vorzugsweise legt er im Gelände seine Eier in Felsnischen oder –bändern ab und nur in seltenen Fällen, wenn diese Strukturen nicht vorhanden sind, nutzt er verlassene Nester von anderen Greifvögeln, Raben oder Krähen. Urbanisiert genügen ihm Kirchen oder andere hohe Gebäude wie Industriebauten und Türme. In Mooren brütet er sogar in kleinen Mulden am Boden. Nester jedenfalls bauen diese Falken nie!

Treue und Zuwendung

Wanderfalkenpaare bleiben ein Leben lang zusammen und halten an einem Brutrevier fest. Das heißt aber nicht, dass sie in ihren Revieren nur einen Brutplatz nutzen. Seit drei Jahren beobachte ich auch in der Weißen Wand am Weissensee ein solches Paar. Abgesehen davon, dass man diese Greifer bereits im Februar in diesem Gebiet jagen sehen konnte, folgte heuer Ende März eine lautstarke und flugaktive Balz. Das Weibchen „lahnt“, das heißt, es signalisiert dem jagenden Männchen durch langgezogene, drei bis vier Mal hochtönende, leicht krächzende griääää Laute, ihren Standort. Aber auch ein oft wiederholtes „gigggiggig“ zählt zum Stammlaut beider Tiere. Nach erfolgreicher Jagd bringt der kleinere Partner seiner Angebeteten die Beute als Zeichen seiner Treue und Zuwendung. Bei allen heimischen Greifvögeln sind die Weibchen um ein Drittel größer als der Terzel, denn sie sind es welche die Eier bebrüten und die geschlüpften Jungtiere hudern. Männchen sind kleiner und deshalb wendiger bei der Jagd. Wenn die Natur nicht weiß was sie tut – wer dann?

Siebenschläfer
Im Flug mit keinem anderen Falken zu verwechseln - Foto H.P. Sorger

Akrobaten der Lüfte

Eine Balz besagt noch nicht, dass danach Eier gelegt oder daraus eine erfolgreiche Brut resultiert. Zu Beginn der Brutphase ändert sich schlagartig das Verhalten beider Tiere. Sie werden heimlicher. Der unerfahrene Beobachter glaubt, die Falken sind von einem auf den anderen Tag verschwunden. Man sieht den Terzel nicht mehr jagen und vom Weibchen hört man nichts. Um ihren Feinden dem Uhu, dem Steinmarder oder anderen Gelegeräubern wie Raben, Eichelhäher und Krähen aber auch den Menschen den Ort des Brutgeschäftes nicht zu verraten, ist diese angeborene Methode durchaus auch die Beste. Wenn das Wanderfalkenweibchen ihre 2 bis 4 braungefleckten Eier abgelegt hat, bebrütet sie diese 28 bis 30 Tage. Während dieser Zeit aber auch in den ersten Tagen nach dem Schlüpfen der Jungen wird das Muttertier von ihrem Lebenspartner - still und heimlich - mit Futter versorgt. Etwa acht bis zehn Tage werden die jungen Flaumknäuel vom Weibchen gehudert und dann dauert es noch zirka 30 Tage bis der Nachwuchs flügge ist. Dem folgt eine drei- bis vierwöchige Bettelflugperiode und das meist in der Nähe des Horstes. Auch unsere Weiße-Wand-Wanderfalken waren dieses Jahr, zu meiner großen Freude, erfolgreich. Viele Tage saß ich gut versteckt, entweder mit meiner Mitarbeiterin Manuela Siller oder einem praktizierenden Studenten in dichtem Gehölz und beobachtete das Flugtraining von zwei durchgebrachten, gesunden Jung - Wanderfalken. Schon nach wenigen Tagen wurden sie zu Akrobaten der Lüfte. Einige Male sauste der Eine oder Andere, abfallend wie ein Stein, mit beinahe bedrohlichen, luftdurchschneidenden Geräuschen nahe an unseren Köpfen vorbei, tief zwischen den Felstürmen, die Flugbahn korrigierend hindurch, um alsbald wieder hochzuschießen, hinein in den Himmel. Die schnellen und flachen Flügelschläge mit dem harmonischen Übergang in die Gleitphase brachten uns Beobachtern Vergnügen pur, doch es schien als hätten die beiden Übenden, bei all den umfangreichen Flugmanövern, ein noch viel größeres! Vergessen wir nicht, diese an der Spitze der Nahrungskette befindlichen Fleischfresser dienen als Indikator für Umweltverschmutzungen. Es ist der Gewinn für den Verzicht auf Biozide die zu Infertilität (Unfruchtbarkeit) führen, da sich die Gifte in ihrem Fettgewebe aber auch in den inneren Organen ablagern.

Siebenschläfer
Einprägsam - sein typisches Flugbild - Foto RtW Archiv

1,5 Millionen Sehzellen

Altvögel sind meist schiefergrau, mitunter auch graubraun, hingegen ist die Unterseite sehr hell oder gar von weißlicher Farbe und mit schwarzen Querflecken gebändert. Leicht zu erkennen ist er auch an seinem charakteristischen, unter dem Auge liegenden, schwarzen Backenstreifen. Unverkennbar ist sein Flugbild. Die spitz endenden Flügel sowie der lange, sich zum Ende hin verjüngende Stoß sind eindeutige Kennzeichen eines Wanderfalken. Wie alle Greifvögel besitzen auch die Falken ein außerordentliches Sehvermögen. Allein auf dem „gelben Fleck“ der Netzhaut des Wanderfalkenauges befinden sich mehr als 1,5 Millionen Sehzellen (wir Menschen müssen mit müden 200.000 auskommen), das ermöglicht ihm seine Beute bereits aus einer Entfernung von eineinhalb Kilometern wahrzunehmen und auszumachen. Da Altvögel sich der Wetterlage entsprechend örtlich nur unwesentlich verändern, verdanken sie ihren Namen „Wanderfalke“ wahrscheinlich den Jungen, denn sie sind es die ihren ersten Winter gegen Süden ziehen und erst im nächsten Frühjahr in die Nähe ihres Geburtsortes zurückkehren, um mit einem Partner ein neues Revier zu gründen. Zwar tritt die Geschlechtsreife im zweiten meist aber erst im dritten Lebensjahr ein, doch das hat nichts zur Sache, bis dahin verbringen die beiden eine Art „Verlobungszeit“, um sich perfekt aufeinander einzustellen. Übrigens: Wanderfalken können bis zu 15 Jahre alt werden.

Siebenschläfer
Auch am Boden kann er seine Beute ausmachen - Foto Jakob Zmölnig

Vor 15 Jahren nahmen wir von „Respect to Wildlife“ mit dem Ludwigshafener Ornithologen Alfred Amberger Kontakt auf. Ein penibler Vogelkundler, der in Rheinland-Pfalz für die ornithologische Beobachtungsstation (orbea) arbeitet. Mittlerweile ist daraus eine Interessensgemeinschaft geworden. Alljährlich begeht er gemeinsam mit uns, stets zu gleichen Zeiten, Landstriche um den Weissensee aber auch im Drau-, Gail- und Gitschtal. In eine Beobachtungsliste der häufigsten europäischen Vogelarten werden seither alle gesichteten Vögel, ob im Flug, schwimmend oder sitzend, manchmal nur deren Stimmen oder bei Nestfunden von Wasservögeln die Anzahl der Eier sowie die bereits geschlüpften Jungen eingetragen. Durch ihn und den bekannten Spittaler Jakob Zmölnig, der wahrscheinlich das größte fotografische Dokument mitteleuropäischer Vögel eigenhändig erarbeitete, konnten wir in diesen Jahren unser bescheidenes ornithologisches Wissen beträchtlich erweitern. Zwar gilt unser größtes Augenmerk immer noch den Bären, Luchsen, Fledermäusen, Spechten und vielen bedrohten Kleinsäugern, aber im Zuge dieser Forschungstätigkeit bleibt immer noch genügend Zeit, dass wir uns auch unseren gefiederten Freunden zuwenden. Durch die Beobachtungen von Brandseeschwalben, Schlangenadler und dem Nachweis erfolgreich brütender Wanderfalken, sowie die Entdeckung einer möglicherweise alljährlich stark frequentierten Vogel-Zugroute in den Gailtaler Alpen konnten wir den zuständigen Stellen in der Kärntner Landesregierung, Bird Life und anderen vogelkundlichen Stationen etwas an Material liefern. Wir sehen in allen ernsthaft durchgeführten Forschungsarbeiten, gerade unsere Natur betreffend deshalb eine große Wichtigkeit, weil sie letztendlich unserem eigenen Überleben dienen. Vermutlich brächten wir ohne dem beängstigendem Aussterben und Schwund vieler Tierarten immer noch DDT und andere aggressive Gifte unkontrolliert in Wald und Flur aus. Auch beim Begradigen von Flüssen fand ein Umdenken statt und großflächige Kahlschläge dürfen aufgrund sich lebensgefährlich entwickelnder Erosionen nicht mehr durchgeführt werden. Schließlich haben alle Schutzbestimmungen und Gesetze zur Erhaltung von Fauna und Flora für uns, unsere Kinder und Kindeskinder ihren Ursprung in der Forschung. „Respect to Wildlife“ ist in der Hauptsache mit Freilandforschung befasst und es ist deshalb auch notwendig, dass wir uns im Freiland bewegen. Diesbezüglich ersuchen wir deshalb Alle, uns unsere Tätigkeit zu erleichtern. Letztendlich ist es die Gemeinschaft welche von all den mühsamen Arbeiten profitiert.

Ihr Hans Peter Sorger

Gönnen Sie sich ein besonderes Naturerlebnis!

Exkursionen in die Welt der außergewöhnlichen Artenvielfalt im Naturpark Weissensee
Informationen + Anmeldung

Titelfoto H.P. Sorger:
Gemeinsam auf der Ansitzwarte.

© Respect to Wildlife 2017