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Tierische Bereicherung

Upupa epops

Auch als Stinker oder Dreckvogel im Volksmund genannt, ist er ein hübscher und selten gewordener Piepmatz – der Wiedehopf (Upupa epops). Mit wenigen Aussetzern besucht diese ornithologische Rarität alljährlich das Umfeld des Weissensees, vermehrt in Stockenboi. Jedoch bislang fehlten beider Orts Brutnachweise. Er galt als Frühjahrs-Besucher und Durchzieher. Im April entdeckte ich ein balzendes Paar, schattseitig, an den Ausläufern des Mühlbichels. Kontinuierliche Beobachtungen aus sicherer Entfernung signalisierten mir in Folge durch Eintragen von Futter mit vollgefüllten Schnäbeln in ihre Bruthöhle die Aufzucht von Jungvögel. Der erstmalige Brutnachweis nach der Einstellung von Pestizid-Ausbringung war erbracht.

Publius Ovidius Naso lebte von 43 v. bis 17 n. Christus und war ein angesehener römischer Dichter. Heute bekannt als Ovid verwandelte er in seinen Dichtungen: die „Metamorphosen“, im 6. Buch, den Thrakerkönig Tereus in einen Wiedehopf. In dieser wohl brutalsten Erzählung ist die Rede von der Form des Wiedehopfschnabels, welcher einem Schwert gleicht. Die Beobachtung hinkt keine Spur der Realität nach, denn der lange, leicht abwärts gebogene Schnabel erinnert an eine Hieb- und Stichwaffe aus vergangenen Zeiten.

Wiedehopf - Futterübergabe
Futterübergabe-Reizauslöser ist der rote Rachen des Jungvogels - Foto J. Zmölnig

Wenn in Österreich noch etwa 600 Paare, davon in Kärnten an die 40 bis 50, dieser seltenen Vögel brüten, dann sind wir im Gegensatz zu unseren deutschen Nachbarn (250 Paare) noch gut bestückt. Pfiffig, kurzbeinig erscheint der Kerl zwar größer als eine Drossel, muss sich aber mit deren Maßen, Körperlänge 25 bis 29 cm, begnügen. Er ist einer der auffälligsten Vögel und dennoch – nur selten bekommt man ihn zu Gesicht. So imposant er mit seiner aufrichtbaren Federhaube, den rehbraunen bis ins Orange gefärbten Körperfedern und den kontrastreichen, schwarz-weiß gebänderten Flügeln sowie dem schwarzen, mit einer weißen Querbinde versehenen Schwanz erscheint, bietet ihm gerade diese Farb-Konstellation eine hervorragende Tarnung. Dieses Federwild liebt warmes Terrain, hält sich aber von Wüsten und tropischen Regenwäldern fern. Man kann es in Ägypten und Arabien, Afrika und Indien ebenso antreffen wie auf Sumatra und Sri Lanka. Weiter nördlich als nach Belgien, Nord-Deutschland, Polen und Südschweden lassen sie sich mit Brüten nicht mehr ein, hingegen bevorzugen sie dafür vermehrt die Mittelmeerländer. Der Wiedehopf überwintert in Afrika im Hochland von Kenia und Tansania wie im Senegal und in Nigeria. Schon Mitte März bis in den April sucht er seine Brutplätze erneut auf und seine Rückreise kann mitunter bereits im Juli beginnen. Zumeist aber erfolgt sie im August und September. Sieht man diesen Vogel im Flug – er tanzt beinahe unsicher wie ein Schmetterling in wellenförmiger Bahn mit flatterndem Flügelschlag durch die Lüfte – fragt man sich, wie er mit dieser Fortbewegungsweise auf den afrikanischen Kontinent gelangt?

Wiedehopf - Anflugstudie
Eine interessante Anflug... - Foto J. Zmölnig

Wiedehopf - Aufflugstudie
... und Aufflugstudie - Foto J. Zmölnig

Vogeleier und Nestlinge

Laut unseren – Respect to Wildlife – Feldforschungsdaten, konnten wir diesen Vogel in tiefen Lagen von 200 m SH ebenso beobachten wie in 1400 m SH. 1997 sah ich ein am Straßenrand nach Beute suchendes Exemplar nahe von der Ortschaft Goggerwenig bei St. Veit an der Glan. 1999 in Stockenboi, nahe der Zufahrtsstraße zum Ostufer des Weissensees. Im April des Jahres 2000 konnten zwei deutsche Ornithologen, unsere Zoologin Manuela Siller und ich im Bodenalmtal in 1400 m SH einen emsigen Wiedehopf über eine halbe Stunde bei der Futtersuche beobachten. Seinen Schnabel hatte er zur Gänze im Erdreich versenkt währenddessen er sich, um das Loch zu erweitern, im Kreis drehte und schon nach kurzer Zeit eine Maulwurfsgrille hervorholte. Seine Beute donnerte er mit einem kurzen Ruck gegen einen herumliegenden Stein, ehe er sie etwas in die Luft warf, wieder auffing und verschlang. In diese Zeit erbeutete er drei dieser unterirdischen Wurzelfresser. In seinem Beuteschema sind aber auch Großinsekten, Engerlinge, Raupen, Käfer ja sogar Eidechsen, Frösche und bisweilen Vogeleier und Nestlinge enthalten. Regenwürmer, Asseln, Tausendfüßler oder Spinnen nimmt er bei Nahrungsmangel, aber nicht gerade mit „wässriger“ Zunge. Rund um den Weissensee ist er alljährlich nicht nur zu hören sondern – wenn man seine Jagdgründe kennt – auch gut zu beobachten. An dieser Stelle erlaube ich mir, jeden vogelkundlich Interessierten das Buch „Die Brutvögel“, Avifauna Kärntens, herausgegeben vom Naturwissenschaftlichen Verein für Kärnten, in dem eine Hundertschaft von Profi- und Hobbyornithologen ihr Schärflein beigetragen haben, zu empfehlen.

Alt- mit Jungvogel auf der Futtersuche
Alt- mit Jungvogel auf der Futtersuche - Foto H.P. Sorger

In die Höhle muss sie schlüpfen, dann ist die Ehe geschlossen

Monogam, aber nur einen Sommer lang, in einer sogenannten Brutsaisonehe, balzen die schwer voneinander unterscheidbaren Wiedehopfe. Mit aufgestellter Federhaube ruft das Männchen mit nur wenigen Unterbrechungen, uhpup pup, upuppup meist aus guter Deckung heraus. Schenkt ihm ein Weibchen seine Aufmerksamkeit, versucht er es mit Futtergeschenken zu betören. Danach verfolgt er es mitunter stundenlang. Krächzend bietet er Unterkünfte in Form von Bruthöhlen an. Erst wenn das Weibchen in eine der Höhlen schlüpft, ist die Ehe geschlossen und es wird für Nachwuchs gesorgt. Sechs bis zehn bläulich oder grünlich gefärbte, verschiedenfarbig gepunktete, lange elliptische Eier mit einer Größe von 25 x 17 Millimeter werden gelegt und ausschließlich vom Muttertier bebrütet. Dadurch, dass das Weibchen täglich nur ein Ei legt, aber schon nach der Ablage des ersten zu brüten beginnt, entwickeln sich die Jungen unterschiedlich. Um das Schlüpfen eines Jungtieres zu ermöglichen, muss ein Ei 16 Tage bebrütet werden, also kann sich die Brutdauer auf mehr als 25 Tage ausdehnen. In dieser und einer mindestens 8 – 10 Tage dauernden Nestlingszeit trägt ausschließlich das Männchen für die Verpflegung Sorge. Fällt das Hudern der Jungtiere weg, beginnt auch das Weibchen Futter zu suchen. Ca. fünf Tage nach Verlassen der Bruthöhle kümmern sich die Elterntiere in auslaufender Form um die Nahrung der Jungen, danach verlassen diese das elterliche Revier und sind selbstständig. Wenn sie keinem Unfall und auch ihren Feinden nicht zum Opfer fallen, haben Wiedehopfe eine Lebenserwartung von 10 bis 12 Jahren.

Wiedehopf mit Maulwurfsgrille
Die Lieblingsspeise dieses Vogels ist die Maulwurfsgrille - Foto J. Zmölnig

Stinker und Dreckvogel

Ihre größten Feinde sind die Greifvögel und die gegen sie entwickelten Abwehrmaßnahmen sind faszinierend. Erscheint die Flucht in ein Versteck unmöglich, fallen sie am Boden in eine Tarnstellung, welche sehr deutlich macht, wie der doch so kontrastreiche Federschmuck konturauflösend wirkt. Flach und mit gespreizten Flügeln, starr an den Boden gedrückt, richten sie Hals, Kopf und Schnabel steil nach oben. In dieser Schutzhaltung wird der Vogel allzuleicht übersehen. Ein schlangenähnliches Zischen geben bei Bedrohung Nestlinge von sich und spritzen Kot aus ihrer Höhle. Greift man sie, dann lösen sie sich so oft sie können. Gleichzeitig sondern sie aus ihrer Bürzeldrüse, in Erregungszuständen vermehrt, ein widerlich riechendes Sekret ab, worin sich die Beinamen „Stinker“ und „Dreckvogel“ begründen. Wiedehopfbrutstätten kann man, kommt man zufällig genügend nahe heran, durchaus am strengen Geruch orten. Die größten Bedrohungen, unter denen diese hübschen, stark gefährdeten Vögel am meisten leiden, ist die Wohnungsnot und die intensivierte Land- und Forstwirtschaft. Kaum einen ausgehöhlten oder mit Spechtlöchern und Bruthöhlen versehenen Baum belässt man heute noch im Wald. Der aus Molzbichl bei Spittal stammende Jakob Zmölnig zählt zu den besten Vogelkundlern Österreichs; von ihm stammen einige Fotos dieses Beitrags und ich bin mächtig stolz darauf, seit etlichen Jahren sein Schüler sein zu dürfen.

Ihr Hans Peter Sorger

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Titelfoto J. Zmölnig:
Futterübergabe-Reizauslöser ist der rote Rachen des Jungvogels.

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