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Vom Wolf zum Drogenschnüffler

Ein Pappenstiel von 14 000 Entwicklungsjahren liegt zwischen dem Wolf (Canis lupus) und dem besten Freund des Menschen. Von der Urform zu hunderten Rassen der Spezies Hund (Canis familiaris). Wir Menschen griffen in die Entwicklungsgeschichte ein und züchteten aus dem Beutegreifer Wolf ein Haustier.

Der beste Beweis liegt in der heutigen Region Israel. Zufällig fand man bei Ausgrabungen eine vor 12 000 Jahren begrabene menschliche Leiche, deren Hände einen jungen Hund oder Wolf umarmten. Als Grabbeigabe - den Liebling des Menschen. War es ein Hund oder ein Wolf? Schwer festzustellen, da die Gene beider nahezu identisch sind. Vermutlich haben damals Menschen verlassene Wolfswelpen angenommen, welche sich mit der Zeit selbst domestizierten. Jedenfalls dürften sie eine ökologische Nische - nämlich die Abfallhaufen der Menschen - besetzt haben und von Generation zu Generation zahmer geworden sein.

Jagdhundmischling - Strumpfi
Jagdhundmischling beim Schwarzfischen - Foto Manuela Siller

Ablöse wie ausgemacht

Das ist eine Geschichte wie der Mensch auf den Hund gekommen sein könnte, eine Andere reimte ich mir aufgrund eines Erlebnisses, welches ich im Jahre 1965 im kanadischen Yukon hatte, selbst zusammen. Am 4. Dezember dieses Jahres beobachteten der Native Tom Saskat vom Stamme der Tshimshian und ich, von einer gutgedeckten Anhöhe aus sieben Wölfe, die einen Elchbullen durch den etwa 60 cm hohen Schnee hetzten. Nicht etwa geradeaus, sie drängten ihn geschickt dazu seine Flucht kreisähnlich anzulegen. Erst in späterer Folge sollte ich diese Taktik verstehen. Sukzessive kehrte das in großen Sprüngen flüchtende Schalentier zum Ausgangspunkt zurück. Schließlich hielt es erschöpft inne und begann sich mit seinen Läufen und den mächtigen Schaufeln zu verteidigen. Mir fiel auf, dass die Wölfe ihr Opfer von allen Seiten bedrängten, aber nie in die Gefahrenzone gerieten. Über drei Stunden attackierten die Tiere den Bullen und es schien, als hätte sich eine Pattstellung zwischen Beute und -greifern ergeben, denn der Elch trabte hocherhobenen Hauptes davon und etwas aktionsgeschwächt die Wölfe hinterher. Wie aus dem Nichts, tauchten plötzlich weitere acht Wölfe auf. Wie sich herausstellte bildeten sie mit den anderen ein Rudel und lösten ihre Mitglieder wie ausgemacht ab. Dem Bedauernswerten blieb nichts anderes übrig, als sich erneut vor einer ausgeruhten Meute zu verteidigen. Aus meiner Sicht hatten die immer wieder lästigen Angreifer gegen diesen 700 bis 800 kg schweren Bullen keine Chance. Es lag nicht im Sinne der Wölfe, sich den schädelzerschmetternden Hufen oder den wuchtigen Schaufeln des Schalentieres auszusetzen. Vielmehr lag in ihrer Absicht den Wiederkäuer einfach nicht zur Ruhe kommen zu lassen und wenn der dadurch dem Naturgesetz, seine Nahrung hoch zu würgen nicht in der Lage war nachzukommen, dann schwächte ihn die zwangsläufig folgende Kolik dermaßen, dass sein Schicksal besiegelt war. Drei Tage und zwei Nächte nervten die Tiere den Bullen abwechslungsweise, dann war es ein Leichtes ihn zu überwältigen.

Wolf - Pekinese
Beide haben miteinander nichts mehr gemeinsam - Foto H.P. Sorger

Leider schrumpfte auch das Gehirn

Tom Saskat erzählte mir an einem jener sagenhaft schönen Lagerfeuerabenden, dass sich die Urahnen der Natives diese Taktik von den Wölfen abkupferten. Außerdem legten sie sich Welpen zu, nutzten infolge deren Geruchsinn, ihre jagdlichen Instinkte und setzten sie als Lastenträger ein. Weltweit und unabhängig voneinander geschah mit dem Beutegreifer Wolf ähnliches und so dürfte der Mensch auf die unterschiedlichste Weise auf den Hund gekommen sein. Mittlerweile gibt es unter den Hunden die größte Formenvielfalt, wie bei keiner anderen Tierart. Vom Chihuahua bis zum Bobtail und vom Bullmastiff bis zum bayrischen Gebirgsschweißhund haben sie allesamt die Fähigkeit mit dem Schwanz zu wedeln, sind gelehrig und verfügen über ein zähmbares Temperament. Nachdem sie keine Beute mehr selbständig zu erlegen brauchten schrumpften ihre Zähne, aber leider auch ihr Gehirn. Ein Zwischenprodukt der Evolution war der Straßenköter, jedoch aus ihm mauserten sich, ohne menschlichen Zutuns, die ersten Rassen. So entwickelten sich bei einigen die Schnüffelei, die Wachsamkeit, die unterschiedlichen jagdlichen Instinkte und vieles mehr besonders heraus. Dann begann der Mensch die Rassen zu formen, er kreuzte sie gezielt mit den erwünschten Eigenschaften. Aus dem Stammhalter Wolf wurden der Drogen-, Sprengstoff- und Geldschnüffler, der Lawinen-, Erdbeben- Blinden-, Hüte-, Spür-, Schweiß- und Kampfhund. Aber auch weltbekannte Pioniere wie die Hündin Leika, welche die Russen mit dem Sputnik II 1957 ins All schossen und die das erste Lebewesen war welches die Erde umkreiste, sind darunter. Sie starb im Weltraum und von jenen Hunden, welche zur Vorbereitung des ersten bemannten Raumflugs 1961 von den Sowjets mit Raketen und in Druckanzügen 80 Kilometer hoch gefeuert wurden weiß man nicht, ob auch nur ein einziger überlebt hat. Heute noch benutzt der Mensch sie für Experimente, die sein eigenes Leben gefährden würden.

Der Wolf wird immer mehr verdrängt

Deutsche Dogge
Bis zu 100 Kilogramm kann die
deutsche Dogge schwer werden
Foto RtW Archiv

Durch Jahrtausende hindurch ist der Hund für den Menschen unentbehrlich geworden. Yorkshireterrier wurden einst zum Fangen von Ratten gezüchtet und Border Collies ausschließlich zum Hüten von Schafen, Schweinen und Ziegen. Jagdhunde für die unterschiedlichsten Zwecke und Aufgaben. Während der Wolf immer mehr verdrängt wird, hat der Hund seine Heimat bei den Menschen gefunden. Häufig sind sie hart arbeitende, leicht erziehbare, liebenswerte und anpassungsfähige Weggefährten des Menschen. Fünf Millionen Hunde leben heute in Deutschland und ca. 550 000 in Österreich. Unser bester Freund ist zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig geworden.

Ihr Hans Peter Sorger

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Titelfoto RtW Archiv:
Sie sind der Ursprung aller Hunderassen.

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